Quito: Sightseeing im kolonialen Weltkulturerbe

Quito: Sightseeing im kolonialen Weltkulturerbe

Nach Quito war es nunmehr eine anderthalbstündige Busfahrt, welche uns durch zunehmend besiedeltes Gebiet führte. Vor uns öffnete sich ein weites, langes Tal, welches komplett von einer gewaltigen Stadt erfüllt war. Quito liegt auf zirka 2850 m Höhe und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt der Welt (La Paz in Bolivien ist mit bis zu über 4000 m Höhe zwar ein noch deutlich höher gelegener Regierungssitz, die bolivianische Hauptstadt ist jedoch Sucre). Vom weit südlich gelegenen Busterminal fuhren wir nochmals etwa eine halbe Stunde mit dem Taxi zum Hotel im Mariscal Sucre Distrikt. Nach den eher kalten und wenig komfortablen letzten Tagen gönnten wir uns in Quito eines der bestbewerteten Guesthouses; ein hübsch eingerichtetes Zimmer mit schönem Parkettboden und eine gemütliche Lobby mit Cheminée, in welchem meist ein paar grosse Scheite kokelten bildeten einen angenehmen Kontrast zu der Cabaña ohne Heizung.

Wir nahmen ein Taxi ins Zentrum der Altstadt, welche 1978 als erste Stadt überhaupt ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Weshalb wurde uns schnell klar: Man kam keinen Häuserblock weit, ohne an monumentalen Kirchen, Plätzen, Denkmälern und Torbogen vorbeizukommen. Es war Sonntag und die Altstadt sehr belebt; stundenlang liessen wir uns einfach treiben. In der Cafeteria Modelo liessen wir uns nieder um etwas zu essen. Es handelte sich um ein seit 1950 geöffnetes traditionelles Café, welches bei Einheimischen sehr populär war. Der Tag darauf war ein Feiertag, der Día de los Difuntos, an welchem der Verstorbenen gedacht wurde. Diese Tradition ging auf indigene Völker zurück, welche an diesem Tag den Toten etwas zu essen brachten und selbige zu diesem Zweck zum Teil sogar exhumierten. Den Spaniern passte dies nicht besonders; sie fusionierten das Fest mit dem katholischen Allerseeligen und wirkten darauf hin, dass die physische Anwesenheit der Toten ersetzt wurde: Heute symbolisiert ein süsses Brot mit anthropomorphem Aussehen und – etwas morbid – roter Konfitürenfüllung die Toten. Dieses Guagua genannte Gebäck wurde in diesen Tagen überall verkauft und zusammen konsumiert mit Colada Morada, einem warmen, dunkelvioletten Getränk auf Basis von schwarzem Maismehl und vielen Früchten (Ananas, Brombeeren, Naranjilla und andere).

Wir hatten eigentlich schon ein paar andere traditionelle Snacks bestellt, die Familie am Nebentisch war jedoch trotzdem der Meinung, dass wir unbedingt Guagua essen und Colada Morada trinken müssten und bestellten uns dies sogleich. Vollgestopft mit ecuadorianischen Spezialitäten setzten wir unseren Marsch durch die Altstadt fort. Das Abendessen verschoben wir auf den späten Abend im Hotel, wo wir zum Erstaunen des Kellners eine Flasche chilenischen Roten killten.

An den nächsten Tagen unternahmen wir einige weitere Ausflüge: Mit der TelefériQo, einer Gondelbahn, fuhren wir die Flanke des Vulkans Pichincha rauf und genossen die spektakuläre Aussicht auf ein etwas dunstiges Quito. Wir besuchten auch La Mitad del Mundo, ein touristisch grenzwertig ausgeschlachtetes Monument 20 km nördlich von Quito, genau auf einer Linie gelegen, von der man früher dachte, sie entspreche dem Äquator. Tatsächlich war die Äquatorbestimmung im 18. Jahrhundert relativ exakt; der wahre Äquator liegt lediglich 240 Meter weiter nördlich. Erwähnenswert ist weiter das Anwesen des Malers Oswaldo Guayasamín mit dem Museum Capilla del Hombre. Wir, eigentlich beide keine grossen Kunstfans, gingen auf eine Empfehlung hin und waren sehr beeindruckt von den höchst ausdrucksstarken Werken des Meisters, welche über weite Strecken die desparate Situation Indigener in Südamerika und andere Missstände des Kontinents im 20. Jahrhundert thematisieren.

An einem Abend trafen wir José Raúl, einen Cousin von Alejandro. Er führte uns zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn auf den Panecillo, einen Hügel, der sich 200 m über die Altstadt erhebt. Darauf steht eine 45 m hohe Aluminiumskulptur einer Madonna, die Virgen de Quito. Auch von hier bot sich eine formidable Aussicht auf die Stadt. José Raúl schlug ein gemeinsames Dinner vor und zu unsere Überraschung gingen wir in ein sehr edles Restaurant auf dem Panecillo, wo wir der ecuadorianischen Küche nochmals eine Chance gaben (Fazit: Etwas raffinierter hier, aber auch betont trocken – sie mögen es wohl einfach so!).

An einem anderen Abend hatten wir uns mit einer Bekannten verabredet, von welcher wir dank Facebook wussten, dass sie gegenwärtig in Quito lebt. Wir verbrachten einen lustigen Abend mit einer Handvoll Schweizern und Deutschen, welche alle hier arbeiteten und wohnten und erhielten so einen Einblick in das Leben der zahlreichen Expats in Quito.

Ob dem ganzen Sightseeing und Leutetreffen hatten wir es versäumt, unsere weiteren Reisepläne auszuarbeiten. Wir hatten zwar seit langem einen Flug von Quito über Bogota nach San José in Costa Rica, jedoch noch keine klare Vorstellung unserer Route dort und vor allem kein Mietauto. Wir wollten die dem Vernehmen nach wenig attraktive Stadt San José nach Möglichkeit vermeiden und suchten daher eine Unterkunft in relativer Nähe zum Flughafen, aber ausserhalb der Stadt. Eine solche hatten wir mit den Buchungskanälen übers Internet schnell gefunden und gebucht; bei den Mietautos gestaltete sich die Suche keine 24 Stunden vor der Übernahme jedoch weniger problemlos. Wir klapperten einige grosse Verleihfirmen und Reseller ab, bekamen aber oft keine brauchbaren Offerten oder gar keine Antwort. Im äusserst wackeligen WLAN vom Quito Airport schaffte ich es schliesslich kurz vor Abflug durch fast den ganzen Buchungsprozess von Europcar; nur die Bestätigungsseite blieb irgendwo stecken.

 

Die Allee der Vulkane

Im zentralen ecuadorianischen Hochland, von Riobamba nordwärts, befindet sich eine Ansammlung von teilweise aktiven Vulkanen, die von Alexander von Humboldt als Allee der Vulkane bezeichnet wurde. Auf unserem Weg nach Quito wollten wir nicht einfach im Bus Progressive Metal hörend daran vorbeibrausen, sondern etwas von der einzigartigen Landschaft mitbekommen. Deshalb buchten wir zwei Nächte ein einer kleinen Unterkunft in Lasso, nahe Latacunga. Ein genauerer Blick auf die Karte offenbarte, dass Lasso gleich am Eingang des Cotopaxi-Nationalparks liegt. Was wir erst jetzt realisierten war, dass der Cotopaxi, einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde (5897 m) und beliebtes Ziel für Bergsteiger, erst vor kurzem ausgebrochen war und der Nationalpark immer noch gesperrt war. Auf dem Weg verschlechterte sich das Wetter zusehends und wir waren nicht sicher, ob das mit dem Vulkanausbruch im Zusammenhang stand. Der Bus setzte uns an einer Ampel im kleinen Lasso ab und der Himmel sah dramatisch aus. Vom Bilderbuchvulkan Cotopaxi keine Spur, nur der etwas unförmige, erodierende Südgipfel des erloschenen Illiniza dominierte die Aussicht. Im einsetzenden Regen schafften wir es gerade noch halbwegs trocken zur Unterkunft, wo wir eine kleine, einfach eingerichtete Hütte bezogen. Der Eigentümer, ein ausserordentlich herzlicher Mann namens Marcelo, etwas über sechzig, war begeistert von seinem Heimatland und den Vulkanen. Immer wenn der Cotopaxi ein bisschen durch die Wolken lugte, lud er uns in sein Auto und fuhr 5 Minuten zu seinem Haus, von wo man eine bessere Sicht hatte. Das änderte aber leider nichts an der Tatsache, dass das Wetter gerade nicht in Stimmung für gute Fernsicht war. Marcelos Frau kochte Abendessen für uns; eine sehr gute Locro de papa (Kartoffelsuppe mit Avocado), dann den unvermeidlichen Trockenreis und Poulet. Am nächsten Tag machten wir mit Marcelo einen Ausflug zum berühmten, aber abgelegenen Vulkan Quilotoa. Der sogenannte Quilotoa-Loop ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht erschlossen und wird grösstenteils von Indigenen bewohnt, die noch sehr ursprünglich leben und Ackerbau betreiben. Marcelo stoppte irgendwo am Strassenrand und zeigte uns ein typisches Haus: Eine vielleicht 5×5 m grosse Hütte aus Lehm und einem auf einem Holzgerüst ruhenden Strohdach, das bis auf den Boden gezogen war. Drinnen gab es ausser einem grossen Bett und einem Gasherd kaum Möbel und nur eine einzige in die Mauer eingebaute Öllampe, um in der Nacht Licht zu spenden. Das Haus wurde bewohnt von 5 Menschen – allerdings waren diese auf dem Feld, nur eine Frau eilte zu uns, begrüsste uns und brachte uns ihre Lebensweise näher. Zudem war das Haus bevölkert von über 100 Meerschweinchen, einer jungen Katze und einigen Wachteln in einem Käfig. Die Meerschweinchen waren überall, nur vom Bett wurden sie energisch verscheucht. Die Frau erklärte, die Meerschweinchen würden sie züchten und essen oder verkaufen, wobei ein grosses Meerschweinchen bis zu 10 USD einbringen könne. Die Männchen wurden aussortiert und in einem Käfig ausserhalb der Hütte gehalten, um die Zucht unter Kontrolle zu halten. Es hat uns sehr beeindruckt zu sehen, wie einfach diese Leute auch heute noch leben. Wir erzählten Marcelo, dass wir uns fragten, ob es dies in 30 Jahren so noch geben würde. Seine Meinung dazu war klar: Die Indigenos hätte es schon seit Ewigkeiten gegeben und sie würden ihre Lebensweise auch weiterhin so fortführen.

Später passierten wir Tigua, ein Dorf, welches durch seine Künstler, die einen eigenen Malstil entwickelt haben, Bekanntheit erlangt hat. Auf sehr farbenprächtigen Bildern werden Szenen aus dem bäuerlichen Leben in den Anden dargestellt, ausserdem werden aus Holz ebenfalls bunt bemalte Masken von Tieren oder Personen angefertigt. Ein älterer Herr spielte für uns ein Ständchen mit Flöte und Pauke, eine Musik die auf die Inkas zurückgeht – pentatonisch und simpel, aber nicht ohne Groove.

Als nächstes passierten wir Zumbahua, ein kleines Kaff, aber da Samstag war, fand hier gerade der grosse Markt der Region statt. Wir hielten an und Irene und ich erkundeten wohl als einzige Touristen den authentischen Markt und deckten uns mit allen erhältlichen Bananensorten ein. Die Leute auf dem Markt, besonders die Frauen, waren gut angezogen; es war augenscheinlich, dass der Markt ein Ereignis in der Woche war – man resp. frau ging nicht in der Arbeitskluft einkaufen, sondern dressed up, das heisst sauber gewaschen, frisiert, mit Hut, schönem Schal und, wenn möglich, Stilettos. Von besagten Bananen und anderen Früchten über lebende Hühner, Seile, Pfannendeckel bis zu Schuhen und Schals war alles erhältlich. Besonders beeindruckt hat uns aber eine adrett gekleidete Dame, der wir während etwa fünf Minuten beim Verhandeln über ein paar lebende Hühner zugesehen hatten; sowie ein Schulmädchen, welches mit dem Mittelfinger nonchalant einen abgehackten Schafskopf am Horn haltend über den Markt ging.

Als letzte Station erreichten wir endlich den Quilotoa. Der Anstieg zum Kraterrand war flach und gleichmässig und daher mit dem Auto erreichbar; die Ortschaft Quilotoa lag in unmittelbarer Nähe zum Kraterrand. Von letzterem offenbarte sich ein wundervoller Ausblick auf den grossen Kratersee zirka 400 Meter weiter unten. Wir wollten in den Krater runtersteigen und liessen Marcelo oben zurück, als Treffpunkt hatten wir ein Restaurant in der Nähe des Kraterrands vereinbart. Der Abstieg war einfach, in grossen Schritten überholten wir dutzende nicht sehr gebirgserfahrene Touristen. Auf dem Aufstieg drehte allerdings das Wetter und wir sahen uns auf halber Strecke plötzlich einem kalten Regen ausgesetzt. Unterstände oder natürlichen Schutz gab es auf der kargen Innenseite des Kraters nicht und auf dem unbefestigten Fussweg kamen uns immer grössere schlammige Bäche entgegen. Uns blieb nichts anderes übrig, als den Aufstieg so schnell wie möglich fortzusetzen, was bei Irene und mir allerdings nicht gerade synchron geschah. Nach jeder Biegung ging ich wieder zurück, um zu schauen, wo sie blieb, währenddessen uns die Nässe wie die Kälte unaufhaltsam unter die Kleider kroch. Irgendwann kamen wir komplett durchnässt oben an – von Marcelo fanden wir allerdings keine Spur. Nicht im abgemachten Restaurant, nicht in einem der paar anderen Restaurants in der Nähe. Unsere Stimmung hatte mittlerweile ihren Tiefpunkt erreicht und wir bestellten leicht übellaunig eine heisse Suppe und Tee. Ein Haartrockner, eine Heizung oder sonst etwas, womit sich Kleider und Schuhe trocknen liessen war indes nicht aufzutreiben. Als wir mit dem Essen fertig waren, tauchte glücklicherweise Marcelo auf und fuhr uns zwei Stunden zurück in die Unterkunft. Dort steckten wir alle Kleider in die Waschmaschine und sehnten uns nach einem Cheminéefeuer.

 

Entspannung im Backpackerghetto Baños

Unser Besuch bei Irenes ehemaliger Gastfamilie erlaubte uns einen Einblick in das Leben und die Gesellschaft in Cuenca, der uns als Touristen ansonsten verwehrt gewesen wäre. Auch förderte er einige kulturelle Differenzen und Missverständnisse zutage, die wir nicht erwartet hatten. Trotzdem waren wir sehr herzlich aufgenommen worden und wurden sofort zur Familie gezählt. Mi casa es tu casa. Der Abschied am Montagmorgen fiel uns daher nicht leicht. Wir trafen noch Hugo, den Vater der Familie, der mittlerweile nicht mehr in der Casa Piños wohnte, uns aber zum Terminal Terrestre chauffierte, was angesichts der unsäglichen Trambaustelle gar nicht so einfach war. Dort kauften wir ein Busticket nach Ambato, wiederum für ein paar wenige Dollars; angesichts der siebenstündigen Fahrt, die uns erwartete wahrlich ein Pappenstiel. Carlota hatte uns schon angekündigt, dass dies ein día perdida, ein verlorener Tag sein würde. Tatsächlich bot er wenig Genuss ausser einer oft guten Aussicht auf die hügelige Bergwelt. Stundenlang fuhren wir mühsam Serpentinen hinauf, nur um sie gleich wieder runterzukurven, irgendein Bächlein zu überqueren und danach wieder hinaufzufahren, und so weiter. Es ist allgemein bekannt, dass der Tunnelbau nicht in Ecuador erfunden wurde; als Vertreter eines Volkes mit manischer Tunnelbauneurose würde man aber ein gewisses Potenzial für einen Wissenstransfer in dieser Disziplin sehen. Während der Fahrt schienen Menschen an beliebigen Stellen ein- und auszusteigen, wobei der Kondukteur jeweils energisch winkte, organisierte und einkassierte. Dazu liefen ständig möglichst drittklassige Actionmovies und es splitterte und krachte aus den Lautsprechern, während der unbewaffnete Held in bester Kung-Fu-Manier ganze Legionen von anabolikasüchtigen Bösewichten erledigte und Motorräder zertrümmerte oder mit einem gestohlenen Taxi durch Marktstände in der Innenstadt von Istanbul preschte. Ab und zu stieg jemand ein, der den Filmsoundtrack mit einer spontan dargebotenen Werbung für Englisch-Selbstlernkurse übertönte oder die Buspassagiere mit einer spanischen Tirade, die wohl irgendwie lustig oder unterhaltsam, auf jeden Fall für uns aber schwer verständlich war, eindeckte. Mir half es jedenfalls, mit Kopfhörern auf Maximallautstärke Dream Theater zu hören.

In einem weitgehend charmefreien Kaff hielten wir zu unserer Erleichterung am Strassenrand an und hatten 15 Minuten Zeit für Lunch und Toilette. Für ganze vier Dollar bekamen wir zwei nahrhafte Portionen einer guten Kartoffelsuppe, eine Flasche Cola und ein Päckchen Kaugummi und die Fahrt konnte weitergehen. Obwohl das Reisen per Bus aufgrund der obengenannten Modalitäten nicht frei von Mühsal ist, ist festzuhalten, dass der Busverkehr gut organisiert ist und recht effizient funktioniert. Der Kondukteur wusste, dass wir nach Baños wollten und nicht nach Ambato, weshalb er uns etwas vor dem Busbahnhof absetzte und anwies, die Strasse zu überqueren. Dort kam nach ein paar Sekunden ein anderer Bus, welcher uns aufnahm und nach Baños weiterbeförderte, was eine weitere Stunde dauerte.

Baños war spektakulär gelegen, umrahmt von steilen Bergen mit Wasserfällen und am Anfang eines Tals, durch welches der Rio Pastaza floss und welches bis hinunter in den tropischen Dschungel des Orientes führte. Die Stadt selber gab aber nicht viel her, es handelte sich um ein Backpackerghetto, wie es sie überall gibt. Wir hatten ein günstiges Hostel gebucht, welches alles bot, was das Travellerherz begehrt: Ein Zimmer mit Bad, vernünftiges WLAN, freundliches Personal, welches uns stets mit Tipps versorgte und eine Dachterasse, wo man aus einem Kühlschrank einfach ein Bier nehmen und es auf einer Strichliste eintragen konnte. Die ach so coolen Backpacker, die in ihrer krampfhaften Anstrengung um Individualität völlig in der Ununterscheidbarkeit verschwammen, ignorierten wir einfach und genossen die Vorteile der touristischen Infrastruktur: Es gab viele Restaurants mit hoher Qualität, die auch etwas anderes als knochentrockene, reis- und papas fritas-basierte Comida típica anboten. Es gab allerlei Aktivitäten, von Wandern über Mountainbiken bis hin zu Puenting, bei welchem man sich bungee-ähnlich am Seil von einer Brücke stürzt und darunter hin- und herschwingt, sowie natürlich die namensgebenden Thermalbäder, geheizt mit der geothermalen Energie des nahen aktiven Vulkans Tungurahua. Wir liessen uns etwas treiben und wanderten in den Bergen. Bei einer als Casa del Arbol bekannten Attraktion konnte man auf einem grossen, an einem mit Baumhaus versehenen Baum befestigten Rittiplampi über einen Abgrund schaukeln. Zumindest sieht es auf den Bildern so aus; die Wirklichkeit war nicht ganz so aufregend. Wir besuchten einen überraschend guten Zoo, welcher viele lokal vorkommende und wenig bekannte Tierarten beheimatete, darunter Pekari, Jaguarundi, Brillenbär, Affen, einen Puma, zwei Kondore, Papageien in allen Farben und Grössen und sogar einen Jaguar. Einen Tag begannen wir früh mit einem Bad in einer Terme im Morgengrauen. Das Bad war deutlich in die Jahre gekommen und über die hygienischen Standards durfte man sich keine Gedanken machen, aber es war sehr authentisch und bei Einheimischen beliebt. Der eine Pool war dermassen heiss, dass ich es zur Freude der darin schmorenden Einheimischen auch nach vorgängiger Unterkühlung unter der kalten Dusche nicht schaffte, mehr als die Füsse darin zu baden. Wir mieteten Mountainbikes und brausten damit das Tal runter. Ab und zu war die Schlucht überspannt mit Drahtseilen, an welchen man sich aufhängen lassen und in Superman-Manier hunderte Meter weit über den Abgrund „fliegen“ konnte. Diesen Spass wollten wir uns eigentlich nicht entgehen lassen, aber als wir den anderen Leuten zuschauten, verliess uns nicht nur der Mut, sondern vor allem das Vertrauen in die Sicherheit der Anlagen und wir liessen es bleiben. Stattdessen wanderten wir zu einem spektakulären Wasserfall (Cascada El Pailón del Diablo), der durch eine felsige Schlucht stürzte. Am Abend gönnten wir uns eine Massage, was in Baños alle fünf Meter angeboten wird. Diese war sehr gut und professionell und das Ambiente des Massagesalons wurde bereichert durch eine CD voller Evergreens, bei welchen die Gesangsstimmen allesamt von romantischer Panflöte mit dezentem Vibrato ersetzt wurden. Wir entspannten uns fabelhaft zum unvermeidlichen Hotel California, mit Panflöte und dezentem Vibrato; für einen Moment vergass ich fast den hartnäckigen Husten, den ich als kleines Andenken an meine Erkältung auf Galapagos immer noch mit mir herumschleppte.

Inkaruinen in Ingapirca und unberührte Natur in den Bergen von Cajas

Am Samstag hatte Alejandro den ganzen Tag Zeit für uns und wir unternahmen einen tollen Ausflug im Hochland. Mit dem Auto fuhren wir zirka anderthalb Stunden immer höher hinauf, auf über 4000 m. Die Landschaft sah fast aus wie in den Schweizer Voralpen, nur weitläufiger und der Gantrisch fehlte. Die flachen Stein- und Betonhäuser passten auch nicht recht, die schwarzweissen Kühe kamen mir hingegen sehr bekannt vor. Wir rollten die Passhöhe wieder hinunter nach Ingapirca, der wichtigsten Inkaruine Ecuadors. Gebaut wurde Ingapirca jedoch zuerst von den Cañari. Als die Inkas über das Reich herfielen, usurpierten sie auch diese Stätte und nutzten sie fortan. Wofür, ist etwas spekulativ; es gibt Gräber, die Ruine eines Sonnentempels und Grundmauern einer grösseren Anlage, die sicher rituellen und astronomischen Zwecken, vermutlich aber auch als Wohnraum dienten. Die verbreitete Ansicht, dass Inkas und Cañari eine Zeit lang friedlich nebeneinander die Anlage nutzten ist wohl eher mässig plausibel. Skandalöserweise wurde Ingapirca durch die spanischen Conquistadores weitgehend zerstört als diese sich der perfekt behauenen Steine bedienten um ihre eigenen Siedlungen im Umland zu bauen. Die Stätte ist daher nicht vergleichbar mit dem peruanischen Machu Picchu, der Besuch war aber trotzdem interessant. Nach einem Lunch besuchten wir das Museo de la Ciudad im kleinen Örtchen Tambo, wo uns eine Indiofrau herumführte. Ich erwartete ein paar verstaubte Steine und Tonscherben und eine Stunde Training im Aushalten gähnender Langeweile. Ich täuschte mich – zu meiner Überraschung gab es im Museum ein Modell der alten Bahnlinie und gut präsentierte Fundstücke aus Keramik, Stein, Edelmetallen etc. Die Indiofrau schien sich zu freuen, jemandem all das zeigen zu dürfen und überraschte mit recht profunder Sachkenntnis, die sie in schönem Spanisch vermittelte, so dass sogar ich etwas verstand.

Zurück in Cuenca versuchten wir spasseshalber nochmals, das elusive Restaurant zu finden. Zu Fuss war das auch gar nicht schwierig – die Britin, die den Laden führte teilte uns aber mit, dass sie für die nächsten 5 Tage leider schon komplett ausgebucht seien. Ich begrub meinen Plan, unsere Gastgeber zu einem Dinner einzuladen, welches wir als tolles gastronomisches Erlebnis ansehen würden. Stattdessen folgten wir Alejandros Vorschlag und speisten in einer Pubkette in einer Mall…

Am Sonntag wollten wir unsere Gastgeber nicht zu sehr beanspruchen und unternahmen eine geführte Wanderung im Cajas Nationalpark. Wir brachen früh auf und hatten das Glück, nur mit einem älteren Pärchen, das in Kanada Bisons züchtet unterwegs zu sein und einen kompetenten und von der Natur begeisterten Guide zu haben. Zuerst wanderten wir entlang einem See mit üppiger Vegetation. Einen Bergtukan hörten wir zwar pfeifen, bekamen ihn jedoch leider nicht zu Gesicht. Dafür gab es verschiedene Enten, Kolibris, winzige Orchideen und urige Farne. Der Himmel war wolkenverhangen und ab und zu nieselte ein kalter Regen auf uns nieder. Eine zweite Wanderung in grösserer Höhe (und bei ungemütlich tiefen Temperaturen) führte durch gebirgiges Terrain, durch Moore und einen verwunschenen Wald aus Paper Trees (Polylepsis). Im immer noch fahlen Licht unter der dicken Wolkendecke lagen unter uns dutzende Seen träg wie Pfützen aus Quecksilber. Hungrig vom vielen Wandern waren wir froh in einem einfachen Restaurant anzukommen, wo uns Trucha, Regenbogenforelle (eine eingeschleppte Spezies), serviert wurde.

Am Abend kamen wir doch noch zu etwas fastfood-freier Kulinarik. Auf der Galapagos-Kreuzfahrt hatten wir ein reizendes älteres Pärchen aus Australien kennengelernt, welches zufällig auch gerade in Cuenca war und Freunde besuchte. Zu sechst trafen wir uns im Restaurant eines der besseren Hotels der Stadt und verbrachten einen sehr angenehmen und interessanten Abend. Nach den vielen lateinamerikanisch geprägten Eindrücken und Interaktionen auf unserer Reise fühlte sich ein Abend unter Westlern seltsam nach Zuhause an.

Cuenca und die Schwierigkeit mit Ecuadorianern zu dinieren

Wir flogen von Galapagos zurück aufs Festland nach Guayaquil. Irene hatte vor 14 Jahren drei Monate in Cuenca bei einer Gastfamilie gelebt und dort Spanisch gelernt – Sprachkenntnisse, die uns nun natürlich sehr halfen. Diese Gastfamilie wollten wir besuchen und ihr Angebot, ein paar Tage bei ihnen wohnen zu können annehmen. Alejandro, der Sohn der Familie und um die 40, wollte uns eigentlich am Flughafen von Guayaquil abholen, was aber am Ende nicht klappte. Daher nahmen wir ein Taxi zum zwar nahen, aber per pedes trotzdem kaum erreichbaren Terminal Terrestre, dem Busbahnhof. Nach einer kleinen Odyssee mit Sack und Pack durch die riesige Schalterhalle, bekamen wir für 8 Dollar pro Person ein Busticket nach Cuenca. Im Busterminal gab es lobenswerterweise ein Gratis-WLAN und wir schrieben unseren ecuadorianischen Freunden, dass wir demnächst abfahren würden. Der Bus fuhr tatsächlich sogleich ab und wir durchquerten den ecuadorianischen Früchtegarten; kilometerweise reihten sich Plantagen aneinander, ab und zu tauchte eine kleine Siedlung der Bauern und ein paar Stände mit üppigstem Früchteangebot auf. Leider brach die Nacht abrupt herein und wir hatten nicht viel von der bei Tageslicht sicherlich spektakulären Fahrt die steilen Serpentinen hinauf. Die Strasse führte über einen 4200 m hohen Pass im Cajas Nationalpark; der Bus wand sich um enge Kurven und wir wussten nie, ob neben uns eine Felswand oder ein Abgrund war. Der Wind drückte feuchte Pazifikluft gegen das Gebirge und es herrschte nebst Nacht auch dichter Nebel. Wir hofften still auf einen sehr fähigen Busfahrer und schrieben während der Busfahrt ein paar SMS an Irenes ehemalige Gastfamilie Piños, hörten aber nichts zurück. Als wir nach 4 Stunden im kühlen, auf zirka 2500 m Höhe gelegenen Cuenca ankamen, erwartete uns niemand am Busterminal. Wir kauften ein Datenpaket fürs Handy und fanden heraus, dass unsere SMS nicht angekommen waren und sich die Piños schon Sorgen um uns gemacht hatten. Ein Taxi brachte uns schliesslich in die Casa Piños, wo wir von Carlota, Alejandros Mutter, herzlich empfangen wurden. Wir bezogen Irenes früheres Zimmer, wo wir im brettharten Bett sämtliche verfügbaren Decken über uns zogen. Nach einem Monat in den Tropen war die nächtliche Bergluft ungewohnt kühl; zudem fiel uns nicht zum letzten Mal auf, dass ecuadorianische Häuser in aller Regel weder isoliert noch beheizt sind. Ansonsten gefiel es uns aber gut bei den Piños; wir hatten eine eigentliche kleine Wohnung für uns und wurden jeden Morgen mit einem Frühstück mit vielen wunderbaren, exotischen Früchten versorgt.

Den ersten Tag verbrachten wir mit Sightseeing. Carlota fuhr uns zuerst zu ihrer Tochter Marisa, die eigentlich mitkommen wollte. Allerdings gab es irgendein Problem mit einem Schlüssel, so dass wir alle erst mal eine Viertelstunde mit dem Auto eine bizarr anmutende Tour mit einem Stopp bei jedem Hauseingang durch die kleine Überbauung machten auf der erfolglosen Suche nach dem Abwart. Danach rief irgendeine Tante Marisa an, dass sie vor ihrer Haustür stünden für einen spontanen Besuch. Wir luden Marisa also wieder aus und fuhren zu dritt zum Turi, einer Kirche auf einem Hügel hoch über Cuenca mit fantastischer Aussicht über die Stadt. Danach fuhr uns Carlota ans historische Zentrum heran, welches Irene und ich zu zweit erkundeten. Cuenca wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von Spaniern gegründet. Zuvor hatte sich an derselben Stelle jedoch eine Cañari-Stadt befunden, welche im 15. Jahrhundert von den aus dem südlichen Peru vordringenden Inkas erobert wurde. Davon sind heute nur ein paar archäologisch relevante Grundmauern erhalten; die Kolonialstadt Cuenca hingegen ist sehr intakt, hübsch restauriert und äusserst sehenswert. Die Dichte an Kirchen war irritierend hoch (auch bei den Piños zu Hause gab es keinen Mangel an christlicher Symbolik) und die starke Polizeipräsenz unterstrich die Bemühungen der lokalen Behörden, Cuenca zu einer sicheren Destination zu machen. Wir durchstrichen das historische Zentrum kreuz und quer zu Fuss und besuchten einige interessante Stätten wie beispielsweise ein Museum für extreme Kunst, in welchem ein H.R. Giger-Fan seinen Fantasien freien Lauf gelassen hatte und ein klitzekleines Hutmuseum. Letzteres befasste sich mit der Herstellung von Panamahüten, welche nur aus Versehen so heissen. Schon seit langer Zeit wurden in Ecuador Hüte aus einer nur hier in adäquater Qualität wachsenden Palmenart hergestellt. Europäische Händler erkannten bald die hohe Qualität dieser Hüte und begannen sie nach Europa und Nordamerika zu exportieren – via Panama, weshalb sich dieser Name etablierte. In einer Seitenstrasse sprach uns ein alter Mann auf Englisch an und wollte unbedingt mit uns reden. Er arbeitete vor vielen Jahren in einer Getränkefirma und war beruflich einige Male in den USA. Nun wollte er sein Englisch unbedingt behalten und las deswegen jeden Tag eine Stunde englischsprachige Zeitungen und war hocherfreut, mit uns ein wenig Englisch parlieren zu können.

Wir hatten noch nicht genug und besuchten ausserdem ein bemerkenswertes Museum über indigene Völker, das von einer Bank gestiftet und betrieben wurde. Nebst sorgfältig gemachten Dioramen und präsentierten Artefakten von einer Vielzahl indigener Völker enthielt es auch echte Schrumpfköpfe. Diese gruseligen Dinger stellten Krieger mittels eines aufwändigen Verfahrens aus den abgetrennten Köpfen ihrer getöteten Feinde her und trugen sie um den Hals; offenbar fühlten sie sich damit vor Racheakten der Geister der Getöteten geschützt. Am Abend kochte Carlota für uns Arroz con Camarones (Reis mit Crevetten). Wir dachten, wir würden nun mit der Familie essen, aber stattdessen setzte sie sich zu uns an den Tisch und schaute uns beim Essen zu, während Alejandro mit einem Freund Cuy (Meerschweinchen) essen ging. Wir wunderten uns sehr über diese eigenartige Esskultur und wären eigentlich lieber mit Alejandro mitgegangen.

Die ausgedehnte Erkundungstour des ersten Tages und die Höhe hatte uns müde gemacht und wir beschlossen, den zweiten Tag in Cuenca der Erholung zu widmen. Dafür besuchten wir ein nobles Spa in einem Vorort, die Piedra del Agua. Dort unterzogen wir uns den spa-typischen zweifelhaften Kuren inklusive der Praxis, sich selbst mit irgendwelchem Schlamm, der aussah wie von der Baustelle nebenan, zu beschmieren. Es gab aber auch zwei wunderschöne kleine unterirdische Pools mit Kerzenlicht, einer heiss und einer kalt, als Kontrastbad. Die weitaus absurdeste Vorrichtung zur spa-induzierten Steigerung der körperlichen Verfassung waren jedoch die Baños de Cajon. Dabei wurde das Subjekt, also wir, in eine waschmaschinengrosse Holzkiste gesperrt, so dass nur der Kopf durch ein rundes Loch herauslugte – ähnlich wie bei einem mittelalterlichen Pranger, nur in aufrecht sitzender Haltung. So fixiert konnte man während 10 Minuten nichts tun, ausser an einem verdammt heissen Metallhahn die Dampfzufuhr in die Holzkiste zu regulieren. Immerhin konnte man den Dampf auch abstellen und so höhergradige Verbrennungen gerade noch vermeiden. Trotzdem waren wir froh, als man uns wieder herausliess. Die Massage gefiel mir da schon wesentlich besser, auch wenn uns die Masseurin eine gute halbe Stunde lang vergessen hatte und wir davor halt draussen im Regen in einem warmen Pool niedergarten.

Da das Abendessen des Vortags irgendwie nicht dem erhofften Familienerlebnis entsprach, beschlossen wir, die Sache diesmal selber in die Hand zu nehmen und wer immer auch mitkommen möchte in ein schickes Restaurant einzuladen. Bei Carlota bissen wir damit auf Granit; sie erklärte, sie würde nur selten und ungern auswärts essen. Alejandro war jedoch offen dafür und so fuhren wir los mit der Adresse eines der bestbewerteten Restaurants in der Stadt. Zuerst wollte uns Alejandro jedoch noch den Turi-Ausblick bei Nacht zeigen. Die drittgrösste Stadt Ecuadors funkelte nur so in der Nacht, wahrlich ein prächtiger Anblick! Die Suche nach einem guten Znacht war dagegen weniger von Erfolg gekrönt. An der besagten Adresse fanden wir von der Strasse aus nichts und Alejandro wollte auch nach der dritten Umrundung des Häuserblocks nicht parkieren und zu Fuss suchen. Also fuhren wir zu einer anderen Empfehlung, was jedoch von Unwägbarkeiten deutlich erschwert wurde. Cuenca baute gerade seine erste Tramlinie quer durch die Stadt und stellte sich dabei so ungeschickt an, als handelte es sich um die erste Tramlinie der Welt. Eine ganze Hauptschlagader durch die Stadt war simultan aufgerissen und lahmgelegt; die Desvio (Umleitung)-Schilder zeigten, so es überhaupt welche gab, wirr in alle Richtungen und wir verhedderten uns in einem Gewirr von Einbahnstrassen und durch Baumaterialien aufgeschüttete Strassensperren. Es war eine schlechte Idee, meine bei längerdauerndem Nahrungsentzug sowieso blank liegenden Nerven weiter damit zu strapazieren, an jeder zweiten Kreuzung in die andere Richtung abzubiegen, als ich es vorschlug. Als wir, randomisiert Haken schlagend, zufällig mal in die Nähe unseres Ziels kamen, setzte ich leicht gereizt durch, dass wir das Auto parkieren und zu Fuss weitersuchen. Die Suche dauerte etwa 2 Minuten und endete vor verschlossenen Türen. Niemand betreibt ein Restaurant mitten auf einer unzugänglichen Trambaustelle. Bei dem Restaurant hätte es sich um eine Microbrewery gehandelt, wo man nebst gutem Craft Beer auch feine selbstgemachte Burger und ähnliches bekommen hätte. Alejandro leitete daraus offenbar einen Wunsch nach Burger ab, jedenfalls landeten wir in einem sehr mediokren Fast Food Sit-in, dessen einziger Vorzug gegenüber McDonald’s die Tatsache war, dass er lokal geführt wurde. Bei Burger und Pommes versuchte ich Alejandro zu vermitteln, was unsere Idee mit dem Dinner in einem schicken und guten Restaurant gewesen wäre und inwiefern sich dies von einer Frittenbude unterschied. Zurück zuhause und damit in WLAN-Zone schaute ich nochmals genau nach, wo sich das erste Restaurant hätte befinden müssen – gerade mal exakt 5 Blocks von unserem Wohnort entfernt und genau dort, wo wir gesucht hatten.

Galápagos: Vulkane, Haie und Delfine

Der Galapagos-Archipel wurde und wird geformt durch vulkanische Aktivität. Die Inseln sitzen auf der Nazca-Platte, welche sich mit einer Geschwindigkeit von 6-7 cm pro Jahr unter die Südamerikanische Platte schiebt. Dabei bewegt sich die Nazca-Platte über den Galapagos-Hotspot, eine besonders heisse Stelle des Erdmantels. Auf dem Teil der Platte, welcher jeweils über dem Hotspot liegt, kommt es zu Eruptionen von Lava und entsprechender Bildung von Vulkanen, die dann als Inseln aus dem Meer ragen. Da sich die Platte mitsamt den Vulkaninseln ständig von West nach Ost schiebt, erlöschen die Vulkane, die Inseln verflachen langsam durch die Wirkung der Erosion und verschwinden nach einigen Millionen Jahren gänzlich im Meer. Deshalb ist die östlichste Insel, Española, auch die älteste (3.5 Millionen Jahre alt), wobei sich noch weiter östlich unter der Meeresoberfläche noch viele weitere Überreste von Vulkanen befinden. Die Inseln werden gegen Nordwesten immer jünger und vulkanisch aktiver. Auf der grössten Insel, Isabela, befinden sich 4 Vulkane und die westlichste, Fernandina, ist die jüngste und die letzte grosse Eruption fand erst 2009 statt. Über den schmalen Kanal zwischen Isabela und Fernandina fuhren wir nun über Mittag und setzten per Panga auf die Insel über. Schon beim Aussteigen stiegen wir über ein paar Marine Iguanas, welche stoisch auf der erstarrten Lava lagen. Wir starteten einen Spaziergang landeinwärts über scharfkantige, frische Lavafelder, welche von sehr gut getarnten Lava Lizards bevölkert waren. Auf den Mangroven an der Küste sassen deren Feinde, zwei Galapagos Hawks. Erstaunlicherweise sind diese mittelgrossen Raubvögel (bis 140 cm Spannweite) an Land die Apex Predators, d.h. das Ende der Nahrungskette und kein anderes Tier frisst sie. Mindestens ebenso erstaunlich ist das völlige Fehlen von Aasfressern. Es gibt keine grösseren Landsäugetiere und keine Geier, die tote Tiere fressen würden (höchstens die Habichte tun sich auch mal an einem Kadaver gütlich) – schon auf North Seymour waren uns im Geäst hängende tote Fregattvögel aufgefallen, und hier auf Fernandina lag ab und zu ein verwesendes, aber ansonsten völlig intaktes Iguana am Boden. Ebenso fanden wir verstreut liegende Knochen von Walen und Delfinen sowie Schädel und Schulterblätter von Seelöwen. Die Wanderung war kurz, aber bot dramatische Kulissen, bei welchen das Grün der Mangroven stark mit den anthrazitfarbenen Lavafeldern und dem wolkenverhangenen Himmel kontrastierten. In einer Lagune, die nur bei Flut mit dem Meer verbunden war, entdeckten wir ein paar Schildkröten und Stachelrochen, welche sich hier zurückgezogen hatten.

Den nächsten Tag verbrachten wir wiederum auf Isabela, an einer Stelle weiter südlich. Dort wanderten wir auf eine Anhöhe mit schönem Ausblick auf die Vulkane Darwin und Wolf, erkundeten die Küste per Panga und schnorchelten mit Schildkröten und Pinguinen. Des Weiteren besuchten wir Urbina Bay, wo ein geologischer Uplifting Event 1954 einen Teil Meeresboden aus dem Wasser gehoben hat. Die so geformte Ebene ist beliebt bei Land Iguanas und wird auch von sonst weiter oben lebenden Riesenschildkröten für die Eiablage aufgesucht. Am Strand badeten und schnorchelten wir nochmals, allerdings war das Wasser hier trüb und wir sahen kaum etwas, ausser – zu unserer Überraschung – ein Seepferdchen.

Am vierten Tag hatten wir Isabela vollständig umrundet und waren auf Santa Cruz in Puerto Ayora angekommen. Für Irene und mich war das weniger interessant, da wir das Städtchen und die Spots dort teilweise schon kannten. Im Darwin Research Center begegneten wir Charles Darwin zwar nur in Form einer Bronzestatue, dafür sahen wir Riesenschildkröten auch von anderen Inseln; einige davon mit einer anderen, sattelförmigen Panzerform. Am Nachmittag besuchten wir die uns bereits bekannte ehemalige Farm. Natürlich mangelte es dort auch an diesem Nachmittag nicht an grasenden Riesenschildkröten, allerdings waren wir diesmal in Begleitung des überaus kompetenten Benjamin, der uns alle vorgängig aufgesaugten Fehlinformationen mit Verve austrieb. Ausserdem machten wir halt bei einer traditionellen Zuckerrohrplantage, auf welcher so zirka alles, was man aus Zuckerrohr herstellen kann, hergestellt wurde; darunter nebst Zucker unterschiedlicher Galenik auch Melasse, Zuckerrohrsaft, Sirup und ein Schnaps, den alle rühmten und der meiner Meinung nach in Wirklichkeit ein übler Fusel war.

Über Nacht schipperten wir weit südwärts nach Floreana, eine Insel, welche schon früh Walfängern als Anlaufstation diente. Diese deponierten in einer geschützten Bucht in einem Fass jeweils Briefe an ihre Liebsten, in der Hoffnung, andere Walfänger oder sonstige vorbeikommende Hasardeure würden die Post mit nach Hause nehmen und zustellen. Noch heute kann man eine Karte bei der sogenannten Post Office Bay deponieren und im Gegenzug eine mitnehmen und zustellen. Dabei ist es natürlich Ehrensache, dass man die Karte persönlich zustellt; frankieren und in einen Briefkasten werfen kommt nicht in Frage. Am Nachmittag liessen wir uns an der steilen und felsigen Küste eines kleinen vorgelagerten Inselchens vom Panga ins Wasser fallen und schnorchelten mit der Strömung entlang der schroffen Klippe. Das Wasser war kristallklar und der Blick in die unermessliche Tiefe des steilen untermeerischen Abhangs fast beängstigend. Dies war ein phänomenaler Schnorchelspot, reich an tropischen Fischen und mit verspielten halbwüchsigen Seelöwen, welche bis auf wenige Meter an uns herankamen. Gegen Abend unternahmen wir eine letzte Wanderung; bei Punta Cormorant auf Floreana beobachteten wir Flamingos und Austernfischer, eine Vogelart. Damit ging unsere Kreuzfahrt, welche uns immer wieder von neuem begeistert hatte, langsam zu Ende. Über Nacht fuhren wir zurück nach Baltra, wo wir uns von unseren Mitreisenden verabschiedeten und abermals das ganze Karussell an Verkehrsmitteln, die nötig sind, um nach Puerto Ayora zu gelangen, durchexerzierten. An unserem letzten Tag auf Galapagos unternahmen wir zusammen mit einer Argentinierin und einem deutschen Pärchen einen Schnorchelausflug im Norden von Santa Cruz, bei Daphne. Ganz so fünfsterne-like war das bezüglich des Komforts und des Wissens des Guides zwar nicht, dafür tauchten plötzlich Delfine (Common dolphin, Delphinus delphis) gerade neben unserem Boot auf. Sie waren sehr aktiv und schwammen teils auf dem Rücken möglichst nahe an unserem Bug oder spielten in den Bugwellen. Einer sprang sogar mit voller Kraft aus dem Wasser, was sehr spektakulär aussah. Bei Daphne angekommen schnorchelten wir durch eine seichte, geschützte Stelle, in welcher es wiederum Papageienfische und weitere tropische Spezies gab, sowie enorme, dichte Schwärme von kleinen Fischen, durch die zu schwimmen surreal anmutete. So begeistert ich von der ganzen Galapagos-Erfahrung war, so war ich doch ganz leise enttäuscht, keinen Hai zu Gesicht bekommen zu haben. Als ich Irene nun „Tiburón!“, Hai, rufen hörte, schwamm ich sofort zu ihr. Zwei wunderschöne, dunkelgraue Weissspitzenriffhaie glitten wie eine Patrouille durchs Wasser, mitten durch die dichten Fischschwärme, welche wie Eisensplitter in einem Magnetfeld davonstieben, nur um sich hinter den Haien wieder zum Schwarm zusammenzufügen. Zum Glück hatte ich eine GoPro-Kamera dabei; ein Video gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=7fbph20IbD0. Für mich war das ein perfekter Abschluss des Galapagos-Abenteuers. Den Weg zurück nach Puerto Ayora legten wir per Boot zurück; die Fahrt war nichts für schwache Nerven und vor allem nicht für schwache Mägen. Zirka zwei Stunden lang wurden wir auf der rauen See hin- und hergeworfen bis wir schliesslich leicht ermattet ankamen.

 

Luxus inmitten der Natur

Eine Kreuzfahrt durch den Galapagos-Archipel war von Beginn weg als Höhepunkt in unserer Reise vorgesehen und wer die vorangehenden Blogposts gelesen hat, mag sich erinnern, dass wir ein ganzes Bisschen Nerven für die Organisation derselben aufgewendet hatten. Nun nahte also die Stunde der Wahrheit. Einigen Ballast (z.B. dreckige Wäsche) deponierten wir im Hotel und machten uns auf die Socken. Unpraktischerweise mussten wir zuerst mal zurück nach Baltra zum Flughafen, weil die meisten Gäste direkt vom Flugzeug auf das Schiff verfrachtet wurden – das bedeutete also 45 Minuten Taxi an die Nordküste, per Fähre über den Kanal, per Bus zum Flughafen, dort warten und wiederum in einen Bus einsteigen. Wie erwartet übertraf das Durchschnittsalter der Passagiere im Bus das unsrige um einiges. Hingegen waren wir erleichtert, doch auch einige Leute in unserem Alter zu sehen, welche uns ebenfalls erleichtert zuzwinkerten. An einem Pier wurden uns Schwimmwesten ausgehändigt und wir bestiegen ein Panga, ein Schlauchboot. Dort wurde uns erklärt, wie genau man aussteigen soll, sobald wir beim Schiff ankommen würden: Mit dem Guide auf dem Boot Händchen halten wie die Artisten im Zirkus, Tritt links hier, rechts da, Handgriff zum Staffmember auf dem Schiff, links aufs Schiff (oder so). Mir sträubten sich die Nackenhaare und ich drohte Irene damit, zämefüessligse mit einem Satz von Panga zu Schiff zu springen.

Wir setzten über zu einem Juwel von einem Schiff: Schnittig, unten dunkelblau, oben schneeweiss, 2002 gebaut und 2015 renoviert, 5 Decks für 90 Passagiere, 2 Jacuzzis, 2600 Tonnen, 72 m lang, 2×850 PS (wie mir der Kapitän auf der Kommandobrücke später erklärte). Santa Cruz II, wir waren die zweite Gruppe nach der Jungfernfahrt. Koje 114, uns fiel fast der Kiefer runter. Ein eigentliches Hotelzimmer mit dem breitesten Bett der ganzen Reise, Irene konnte mit ausgestreckten Armen quer drin liegen. Dusche/WC im Zimmer, die Meerwasserentsalzungsanlage an Bord konnte bis zu 30 Tonnen Süsswasser pro Tag liefern. Die 62 Passagiere, zwischen 27 und 84 Jahren alt, versammelten sich auf dem Panorama Deck und wurden in Gruppen eingeteilt. Wir waren sofort überzeugt, in der besten Gruppe zu sein, den Boobies (dt. Möpse – aber Blue-footed Boobies, dt. Blaufusstölpel, sind die unterhaltsamsten Vögel auf Galapagos, selbstverständlich waren die gemeint!). Der Umstand, dass wir ein grosses Schiff waren, würde also dem Naturerlebnis insofern keinen Abbruch tun, als dass wir in unserer 16er-Gruppe (welche auf einem Panga Platz fand) auf Erkundungstour gehen würden. Ausser uns waren noch bei den Boobies: Ein kanadisches Paar um die 40 auf einjähriger Weltreise, mit welchem wir uns umgehend befreundeten; eine amerikanische Familie über drei Generationen, welche dem Grossvater einen Lebenswunsch erfüllten, supercool!; ein anfänglich etwas bizarr wirkendes Gepann zweier Inder; ein Pärchen Gearfreaks aus New York mit Stereo-Vollformatkamera, Stereo-GoPro-Setup und allerhand anderem krassem Equipment; sowie zwei mutmasslich mutistische Asiatinnen, welche während der kommenden fünf Tage kaum je ein Geräusch verursachten. Das Ganze wurde angeleitet von Benjamin, einem relativ jungen Architekten, der auf Galapagos aufgewachsen und in die Rolle eines Naturalist Guides hineingeboren war; er schien gerade einer Ausgabe National Geographic entsprungen zu sein, komplett mit Explorer-Hut und Fünftagebart, zudem wusste er alles über die Biologie und Geologie des Archipels und auch sonst viel, sprach akzentfreies American English und war in jeder Hinsicht ein Glücksgriff für uns.

Das Leben an Bord war genau durchorganisiert und die fünfzigköpfige Crew sorgte für reibungslose Abläufe. Beispielsweise waren die Pangas ganz oben auf dem Schiff untergebracht und wurden mit einem Kran ins Wasser gelassen. Vom Heck aus verliess man das Schiff auf ein solches Panga und nahm, je nach Aktivität, einen mit der Zimmernummer beschrifteten Meshbag mit Schnorchelausrüstung mit oder einen Rucksack mit Kamera und speziellem Strand-Frotteetuch. Kam man zurück, konnte man sich mit Süsswasser abduschen und das Frotteetuch in einen Korb werfen, damit man keinen Sand oder Salz mit ins Zimmer schleppte. Ebenfalls musste man sich auf einem Whiteboard ein- und auschecken, damit ja niemand auf einer Insel vergessen wurde (das Risiko hierfür war minim, man darf im Naturschutzgebiet sowieso nur mit Guide herumlaufen). Auf dem untersten Deck, dem Ocean Deck, befand sich das Restaurant, in welchem nun ein Lunchbuffet der Extraklasse hergerichtet war. Es gab jeden Tag irgendein Special, z.B Ceviche oder Roastbeef, immer einige Auswahl und sogar Desserts und frische Ananas, Papaya und Melone. Ein Kellner war – für Südamerika völlig atypisch – derart aufmerksam, dass er meinen leise und auf Schweizerdeutsch geäusserten Satz „Es Kafi wär itz no guet“ aufschnappte und umgehend einen Kaffee servierte. Nicht, dass wir einen solchen Fünfsterneservice gesucht hätten, wir waren fürs Naturerlebnis hier. Trotzdem waren wir in positivem Sinne perplex.

Den Nachmittag verbrachten wir auf einer unwirtlich und wenig attraktiv aussehenden Insel, North Seymour. Die Insel war sehr bevölkert: Fregattvögel, welche im Flug fast wie Pterosaurier aussehen, nisteten in den Büschen, ab und zu hing auch ein Kadaver von einem im Geäst. Flauschige Jungtiere hockten gelangweilt im Nest, während Männchen stolz ihren knallroten, aufgeblähten Hals präsentierten. Benjamin setzte zu seinem ersten Höhenflug an, erklärte begeistert Details zum Brutverhalten der Fregattvögel und warnte uns vor dem Galapagoseffekt: Die Gefahr bestünde, während dem Beobachten eines Tiers über ein anderes, viel näheres zu stolpern. Zwei Minuten später wäre einer unserer Gruppe beinahe auf ein grosses Landleguanmännchen (land iguana) getreten. Einzigartig ist, dass die Tiere weder Scheu noch Interesse gegenüber Menschen zeigen. Man wird nicht einmal toleriert, sondern einfach ignoriert; den Vögeln war es vollkommen egal ob 10 Homo sapiens danebenstanden und fotografierten oder ob ein Leguan vorbeikroch. Ein Highlight war ein Blaufusstölpelmännchen, das sich um eine Dame bemühte. Dabei führte es einen albern aussehenden Tanz auf, bei dem es seine grossen blauen Füsse vorführte. Die Füsse werden umso blauer, je gesünder und besser genährt das Tier ist; blaue Füsse sind also bei Tölpeln ein direkter Sex Appeal-Indikator.

Zurück auf dem Schiff machten wir uns frisch und ich zog sicherheitshalber mein neues Hemd vom Panama City-Airport an. Danach gab es als Welcome Drink einen hervorragenden Pisco Sour vom chilenischen Bartender und ein Briefing für den nächsten Tag. Ich konstatierte erleichtert, dass sich kein allzu formaler Dresscode etablierte; wer nicht gerade in Shorts und Flipflops auftauchte, musste keine soziale Ächtung befürchten. Nach einem exzellenten, servierten Abendessen hingen wir ein bisschen auf dem hinteren, offenen Teil des Panoramadecks rum und bewunderten ein paar grosse Galapagoshaie, die im Licht des Schiffs einen Fischschwarm in helle Panik versetzten. Leider war kein spassiges Offshore-Nachtschnorcheln vorgesehen und wir gingen schlafen, während der Anker eingeholt wurde und über die Nacht die ganze Strecke nördlich Isabela durch auf die Westseite der grössten Galapagosinsel navigiert wurde.

Ausschlafen war sowieso nicht vorgesehen und wir quälten uns sogar noch extra früh aus unserem Riesenbett um im Morgengrauen auf dem obersten Deck des Schiffes nach Leben Ausschau zu halten. Die Chancen in dieser Region Wale oder Delfine zu sehen wären eigentlich intakt gewesen, aber wir sahen „nur“ eine Meeresschildkröte und einige Delfine sehr weit entfernt. Es war ein spezielles Jahr, eines in welchem das El Niño-Phänomen auftritt und die Meeresströmungen gehörig durcheinander bringt. Deshalb war nun das Wasser viel wärmer und nährstoffärmer als üblich und einige Tiere deshalb nicht an denselben Stellen anzutreffen wie in normalen Jahren. Nach einem – wie man sich vorstellen kann üppigen – Frühstück zwängten wir uns in Wetsuits und bestiegen mit Schnorchelausrüstung und GoPro-Kamera ausgestattet ein Panga. Wir waren gespannt wie es sein würde, vom Boot aus und in einer eher kalten Region des Archipels zu schnorcheln und Irene war wegen der doch recht rauen See etwas nervös. Zuerst fuhren wir der Küste entlang und entdeckten Galapagos Fur Seals, neben den Seelöwen die zweite Robbenart auf Galapagos. Eine Weile hüpfte das Boot auf den anrollenden Wellen auf und ab und ein graumelierter Herr verdrehte die Augen und würgte sein Frühstück ins Meer. An einer etwas ruhigeren Stelle beobachteten wir Galapagospinguine (ja, auch diese tragen Galapagos im Namen und auch sie sind endemisch, d.h. sie kommen nur hier vor) und flugunfähige Kormorane (Flightless Cormorant oder Galapagoskormoran, guess what). Die Kormorane sind vor einigen Millionen Jahren hier gelandet und sind über die Zeit immer grösser und schwerer und dadurch flugunfähig geworden. Ihre Flügel sind klein und werden nur zum Schwimmen und Tauchen verwendet und es gibt nur etwa Tausend Tiere dieser Spezies. Im Wasser sahen wir vom Boot aus jedoch kaum etwas. Ich sprang rein und mir verschlug es fast den Atem: Um mich herum war ein ganzer Schwarm Yellowtail Surgeonfish, mittelgrosse hübsche Fische mit leuchtend gelbem Schwanz. Ein paar Flossenschläge weiter schon der nächste Fischschwarm, diesmal King Angelfish. Irene getraute sich mittlerweile auch rein und zusammen bestaunten wir Fische und vor allem Meeresschildkröten (Green Turtle), die sich, wie die Landtiere, überhaupt nicht um uns kümmerten und manchmal fast in uns reinputschten. Trotz mediokrer Sicht (das Wasser war von Unmengen Larven von Quallen und anderem Getier getrübt) waren wir von diesem ersten Schnorchelausflug begeistert und bedauerten es fast, am Nachmittag einen Spaziergang auf der Insel Fernandina auf dem Programm zu haben.