Vientiane und das Ende einer wunderbaren Reise

Als laotische Hauptstadt beherbergt Vientiane das wichtigste nationale Monument, Pha That Luang. Dabei handelt es sich um eine riesige goldene Stupa, welche gleichermassen Symbol des buddhistischen Glaubens und der laotischen Souveränität ist. Als wir diese Sehenswürdigkeit besuchten, zeigte sich das Wetter von der besten Seite, und liess den wohl recht kürzlich erneuerten Goldanstrich in aller Pracht erstrahlen. Die Stupa wurde offenbar schon Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Hauptstadt aufgrund der ständig einzufallen drohenden Burmesen von Luang Prabang nach Vientiane verlegt wurde, an der Stelle früherer Khmer-Tempel erbaut. Umgeben war sie von 4 Wats, welche allerdings alle zerstört wurden; heute kann man 2 Rekonstruktionen bewundern (beide von enormer Grösse). Wie Luang Prabang ist auch Vientiane voller Wats, einige sehr gross und wichtig. Der schönste und älteste ist Wat Si Saket aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Innenseite der Sĭm (das Hauptgebäude, ordination hall) sowie der umgebenden überdachten Mauer sind voller kleiner Nischen, in welchen je zwei kleine Buddha-Statuen stehen. Ausserdem sind der Mauer entlang viele grössere Buddha-Statuen aufgestellt, so dass die Anlage insgesamt etwa 7000 Statuen enthält!

Eine andere Sehenswürdigkeit scheinen die Einheimischen nicht besonders zu mögen. Patuxai sieht ein wenig aus wie der Pariser Arc de Triomphe und wurde in den Sechzigern aus einer amerikanischen Zementlieferung gebaut, welche eigentlich für den Bau eines Flughafens vorgesehen war. Am Gebäude ist eine Tafel mit einer Beschreibung angebracht, auf der unter anderem dort folgender Satz steht: “From a closer distance, it appears even less impressive, like a monster of concrete.” So seltsam es aber ist, dass eine solche Formulierung direkt am Gebäude prangt, so berechtigt mag sie sein; es handelt sich wahrlich nicht um das schmuckste Kunstwerk der Stadt…

Vientiane ist eine sehr gemütliche, angenehme Stadt. Dem Mekong entlang sind viele kleine Beizen aufgereiht und wir haben auf einer gewagt konstruierten Holzterasse bei einem Bier der Sonne zugeschaut, wie sie feuerrot hinter Thailand, welches gleich auf der anderen Seite des Flusses beginnt, versank. Die französischen Kolonialisten haben sich offensichtlich früher zu einem grossen Teil in Vientiane niedergelassen, jedenfalls findet man hier die deutlichsten französischen Spuren. So gibt es gute Weinkeller und Restaurants, in welchen wunderbares filet du boeuf, canard a l’orange und ähnliches serviert wird; ein Angebot, welchem wir natürlich nicht widerstehen konnten…

Einen Nachmittag verschwendeten wir auf die Suche nach dem Haus, in welchem der Nationalheld und frühere Präsident Kaysone Phomvihane wohnte. Ich habe keine Ahnung was wir falsch machten, aber wir fanden dieses Haus einfach nicht, was nun doch ein Novum auf unserer Reise war. Schlussendlich verging uns die Lust aufs Weitersuchen und wir gaben uns mit der Aussenansicht des pompösen Kaysone Phomvihane Memorial zufrieden…

Langsam mussten wir einsehen, dass auch die längste Reise nicht endlos ist. Monatelang brauchten wir nicht verbleibende Tage zu zählen, es ging einfach noch lange, lange weiter. Und nun tauchte plötzlich doch der Tag auf, an welchem die Heimreise anzutreten war. Wie immer packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf zum Flughafen, von wo aus wir nach Kuala Lumpur flogen. Hier hatten wir keinen direkten Anschluss und fuhren vom Flughafen in die fast 100 km entfernte Stadt. Die Tropen hatten uns wieder, es war heiss und schwül und die Umgebung voller unsäglicher Ölpalmen. Im Hostel lernten wir eine Holländerin kennen, mit welcher wir ein wenig die Bars unsicher machten.

Am nächsten Tag reichte die Zeit gerade für ein wenig Sightseeing. Wir fuhren mit der Monorail (diese fährt auf einer erhöhten Schiene mitten durch die Stadt, sehr cool) zum 421 m hohen Fernsehturm. Von dessen Besucherplattform hat man eine prächtige Aussicht über die Stadt und sieht auch die Petronas Towers, welche mit 452 m Höhe zwischen 1998 und 2004 den Titel des höchsten Gebäudes der Welt beanspruchten.

Am Nachmittag starteten wir in die längste zur Zeit von einer Billigairline angebotene Strecke: Mit Air Asia flogen wir 14 Stunden lang nach London Stansted, wo wir um 22 Uhr GMT landeten. Die Qualität des Flugs war übrigens sehr überzeugend und ich sehe eigentlich keinen Grund, warum andere Airlines das Doppelte und mehr kosten… In Stansted schlugen wir uns die Nacht um die Ohren indem wir uns ein feines englisches Bier genehmigten und uns in der Check-In-Halle auf eine Bank legten. In aller Herrgottsfrühe flogen wir mit Easyjet nach Genf und die splendide Zugsfahrt von dort durch die kalte Winterlandschaft nach Bern kam mir eigenartig kurz vor…

Nun, nach 18 Starts und 18 Landungen, einigen Tausend Zugkilometern, x Schiffs- und Bootsfahrten und zahllosen, unendlichen Stunden in den verschiedensten und originellsten Strassentransportmitteln, haben wir nach drei Monaten wieder an den Ausgangspunkt zurückgefunden, welchen wir Zuhause nennen und welcher sich mittlerweile mit gefrorenem Wasser überzogen hat. Diese Reise war nicht eine gewöhnliche Ferienreise; sie war länger, eindrücklicher, anstrengender und wir werden sie ein Leben lang nicht vergessen. Wir sind voller Eindrücke auf allen Sinnesebenen zurückgekehrt, voller Erlebnisse, und sicherlich mit einem wesentlich verbreiterten Horizont. Im Gepäck haben wir nebst diversen Souvenirs und einem Sack voller stinkender Dreckwäsche vor allem auch eine ganze Menge Fotos. Alleine auf meinen zwei Chips befinden sich weit über 5000 (das heisst rund 19 GB) Aufnahmen. Damit wird auch klar, was mich, neben dem Abarbeiten des Postbergs und dergleichen, in den nächsten Tagen beschäftigen wird…

Es freut mich sehr, dass offenbar recht viele Leute meinen Blog gelesen und so unsere Reise ein wenig mitverfolgt und mitgenossen haben! Wer noch ein bisschen mehr und grössere Bilder und vielleicht etwas weitergehende Kommentare dazu möchte, darf sich sehr gerne an mich wenden, aber eben vielleicht nicht heute und morgen, erst muss ich mich mal durch den Bilderberg arbeiten, den eklatanten Mangel an Käse, Schokolade und Rotwein beheben… ah ja, und den Bart stutzen ;-)

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