Aus dem angekuendigten Sturm wurde zum Glueck nichts. Wir liessen uns bei Silay mit dem Bagoneta, einem pedalgetriebenen Eisenbahnwaegelchen (d.h. eine Art Eisenbahn-Velo-Rikshaw) durch die Zuckerrohrplantagen in ein abgelegenes kleines Doerfchen fahren. Wir waren wohl eine ziemlich ungewohnte Erscheinung hier und wurden ueberall gegruesst. Ueberhaupt wird man auf den Philippinen oft und sehr freundlich gegruesst, und dabei scheint es auf der Hand zu liegen, dass wir alle Joe heissen und Amerikaner sind. Sowieso sind vor allem Matter und ich kaum auseinander zu halten: hier (und auch schon in Indien) meinen alle, wir seien Brueder; sogar fuer Zwillinge hat man uns schon drei oder vier Mal gehalten. Wir sehen halt auch beinahe gleich aus: weiss, gross (die Couchsurfer in Manila nannten uns The Three Towers), Brille, Bart. Fast identisch also
.
Wir fuhren endlose sieben Stunden mit einem Bus (welcher aber zugegebenermassen komfortabel war) quer ueber das nun doch verregnete Negros. Die Aussicht war teils spektakulaer, ueberall Waelder aus Kokospalmen und Bananenstauden, ab und zu ein Bueffel, ein paar Doerfchen… Nach dem Eindunkeln erreichten wir endlich Dumaguete, eine lebendige und angenehme Studentenstadt im Osten der Insel. Von hier aus starteten wir in einen abenteuerlichen Tag. Wir mieteten Motorraeder und kurvten damit, anfangs noch recht unbeholfen, in Richtung Berge um ein paar tolle Wasserfaelle anzusehen. Bisweilen war die Strasse aber unbefestigt, was das Tempo gleichermassen reduzierte wie es den Stressfaktor erhoehte. Wir kamen so aber in sehr schoene Gegenden mit lustiger Arthropodenfauna, ausserdem bemerkten wir gewisse vulkanische Aktivitaeten: Entlang der Strasse entfaltete sich teils apokalyptischer Schwefelgestank, welcher nosodisch aus dem Boden emanierte.
Am Abend gerieten wir bei exzellentem Essen irgendwie in Bierlaune, und Matter und Aendu liessen sich zum Verzehr eines Balut (diese Entenembryos, von denen ich schon berichtet habe) hinreissen. Interessanterweise waren die Embryos diesmal irgendwie weiter entwickelt. Zum Glueck war es dunkel (ok, ich musste natuerlich alles genau untersuchen und fotografieren…).
Nach einer kurzen Nacht verliessen wir mit der Schnellfaehre Negros und fuhren nach Tagbilaran auf Bohol. Diese Insel ist wegen der beruehmten Chocolate Hills (wollen wir morgen anschauen) und der Philippine Tarsier recht touristisch. Die Philippine Tarsier (zu deutsch auch Philippinen-Koboldmaki) sind ganz kleine Primaten, welche hier endemisch vorkommen, wenn sie auch sehr selten sind. Sie schauen aeusserst cool aus: sie haben riesige Augen, jeder Augapfel ist schwerer als das Gehirn. In der Nacht jagen sie offenbar sehr geschickt Insekten (sie koennen bis zu 5 m weit springen, nicht schlecht fuer ein Tierchen das auf einer Handflaeche Platz findet) und am Tag schlafen sie in einem Busch. Jungtiere kommen erst nach sechsmonatiger Tragzeit zur Welt und sind vergleichsweise enorm gross und schwer (naemlich 25 g, ausgewachsen 110-150 g). Wir haben heute eine Tarsier-Forschungsstation besucht und ein Guide zeigte uns im Wildlife Sanctuary einige Tiere. Wenn man sich vorsichtig annaehert, schauen sie einen an, und drehen vielleicht ein wenig den Kopf (sie koennen diesen fast rund herum drehen), gehen aber nicht weg. Ich konnte diese herzigen Viechlein deshalb recht gut fotografieren; jedenfalls kann man sich wohl vorstellen, dass ich nicht gerade ohne Begeisterung fuer sie war
!





















27. November 2009 um 15:29 |
Wäre interessant, die Reaktion der beiden Gourmets auf den doch ziemlich abartigen Snack zu erfahren… Immerhin ist nun Ändus Ehre gerettet!
28. November 2009 um 17:19 |
Lieber Philipp,
Also das ist schon eine Supersache mit dem Blog! Das muss auch mal gesagt werden. Mein Kompliment! So kann ich auch ein bisschen mitreisen und sehen, wies Euch geht. Ist ja mega spannend! Danke und weiterhin gute Reise. Gruss, Marta
30. November 2009 um 13:55 |
@ Bene: Nun, sie sollen das selber sagen… Aber begeistert waren sie nicht unbedingt. Das Eiweiss war sehr hart (das hab ich selbst probiert), der Embryo selbst schmeckt offenbar ein wenig nach Poulet (naja, vielleicht nicht so ueberraschend), wobei die Federchen ein wenig stoeren…
@ Marta: Danke fuer die Blumen; es freut mich natuerlich, zu hoeren, dass mein Blog mit Interesse gelesen wird!