Vientiane und das Ende einer wunderbaren Reise

19. Januar 2010

Als laotische Hauptstadt beherbergt Vientiane das wichtigste nationale Monument, Pha That Luang. Dabei handelt es sich um eine riesige goldene Stupa, welche gleichermassen Symbol des buddhistischen Glaubens und der laotischen Souveränität ist. Als wir diese Sehenswürdigkeit besuchten, zeigte sich das Wetter von der besten Seite, und liess den wohl recht kürzlich erneuerten Goldanstrich in aller Pracht erstrahlen. Die Stupa wurde offenbar schon Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Hauptstadt aufgrund der ständig einzufallen drohenden Burmesen von Luang Prabang nach Vientiane verlegt wurde, an der Stelle früherer Khmer-Tempel erbaut. Umgeben war sie von 4 Wats, welche allerdings alle zerstört wurden; heute kann man 2 Rekonstruktionen bewundern (beide von enormer Grösse). Wie Luang Prabang ist auch Vientiane voller Wats, einige sehr gross und wichtig. Der schönste und älteste ist Wat Si Saket aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Innenseite der Sĭm (das Hauptgebäude, ordination hall) sowie der umgebenden überdachten Mauer sind voller kleiner Nischen, in welchen je zwei kleine Buddha-Statuen stehen. Ausserdem sind der Mauer entlang viele grössere Buddha-Statuen aufgestellt, so dass die Anlage insgesamt etwa 7000 Statuen enthält!

Eine andere Sehenswürdigkeit scheinen die Einheimischen nicht besonders zu mögen. Patuxai sieht ein wenig aus wie der Pariser Arc de Triomphe und wurde in den Sechzigern aus einer amerikanischen Zementlieferung gebaut, welche eigentlich für den Bau eines Flughafens vorgesehen war. Am Gebäude ist eine Tafel mit einer Beschreibung angebracht, auf der unter anderem dort folgender Satz steht: „From a closer distance, it appears even less impressive, like a monster of concrete.“ So seltsam es aber ist, dass eine solche Formulierung direkt am Gebäude prangt, so berechtigt mag sie sein; es handelt sich wahrlich nicht um das schmuckste Kunstwerk der Stadt…

Vientiane ist eine sehr gemütliche, angenehme Stadt. Dem Mekong entlang sind viele kleine Beizen aufgereiht und wir haben auf einer gewagt konstruierten Holzterasse bei einem Bier der Sonne zugeschaut, wie sie feuerrot hinter Thailand, welches gleich auf der anderen Seite des Flusses beginnt, versank. Die französischen Kolonialisten haben sich offensichtlich früher zu einem grossen Teil in Vientiane niedergelassen, jedenfalls findet man hier die deutlichsten französischen Spuren. So gibt es gute Weinkeller und Restaurants, in welchen wunderbares filet du boeuf, canard a l’orange und ähnliches serviert wird; ein Angebot, welchem wir natürlich nicht widerstehen konnten…

Einen Nachmittag verschwendeten wir auf die Suche nach dem Haus, in welchem der Nationalheld und frühere Präsident Kaysone Phomvihane wohnte. Ich habe keine Ahnung was wir falsch machten, aber wir fanden dieses Haus einfach nicht, was nun doch ein Novum auf unserer Reise war. Schlussendlich verging uns die Lust aufs Weitersuchen und wir gaben uns mit der Aussenansicht des pompösen Kaysone Phomvihane Memorial zufrieden…

Langsam mussten wir einsehen, dass auch die längste Reise nicht endlos ist. Monatelang brauchten wir nicht verbleibende Tage zu zählen, es ging einfach noch lange, lange weiter. Und nun tauchte plötzlich doch der Tag auf, an welchem die Heimreise anzutreten war. Wie immer packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf zum Flughafen, von wo aus wir nach Kuala Lumpur flogen. Hier hatten wir keinen direkten Anschluss und fuhren vom Flughafen in die fast 100 km entfernte Stadt. Die Tropen hatten uns wieder, es war heiss und schwül und die Umgebung voller unsäglicher Ölpalmen. Im Hostel lernten wir eine Holländerin kennen, mit welcher wir ein wenig die Bars unsicher machten.

Am nächsten Tag reichte die Zeit gerade für ein wenig Sightseeing. Wir fuhren mit der Monorail (diese fährt auf einer erhöhten Schiene mitten durch die Stadt, sehr cool) zum 421 m hohen Fernsehturm. Von dessen Besucherplattform hat man eine prächtige Aussicht über die Stadt und sieht auch die Petronas Towers, welche mit 452 m Höhe zwischen 1998 und 2004 den Titel des höchsten Gebäudes der Welt beanspruchten.

Am Nachmittag starteten wir in die längste zur Zeit von einer Billigairline angebotene Strecke: Mit Air Asia flogen wir 14 Stunden lang nach London Stansted, wo wir um 22 Uhr GMT landeten. Die Qualität des Flugs war übrigens sehr überzeugend und ich sehe eigentlich keinen Grund, warum andere Airlines das Doppelte und mehr kosten… In Stansted schlugen wir uns die Nacht um die Ohren indem wir uns ein feines englisches Bier genehmigten und uns in der Check-In-Halle auf eine Bank legten. In aller Herrgottsfrühe flogen wir mit Easyjet nach Genf und die splendide Zugsfahrt von dort durch die kalte Winterlandschaft nach Bern kam mir eigenartig kurz vor…

Nun, nach 18 Starts und 18 Landungen, einigen Tausend Zugkilometern, x Schiffs- und Bootsfahrten und zahllosen, unendlichen Stunden in den verschiedensten und originellsten Strassentransportmitteln, haben wir nach drei Monaten wieder an den Ausgangspunkt zurückgefunden, welchen wir Zuhause nennen und welcher sich mittlerweile mit gefrorenem Wasser überzogen hat. Diese Reise war nicht eine gewöhnliche Ferienreise; sie war länger, eindrücklicher, anstrengender und wir werden sie ein Leben lang nicht vergessen. Wir sind voller Eindrücke auf allen Sinnesebenen zurückgekehrt, voller Erlebnisse, und sicherlich mit einem wesentlich verbreiterten Horizont. Im Gepäck haben wir nebst diversen Souvenirs und einem Sack voller stinkender Dreckwäsche vor allem auch eine ganze Menge Fotos. Alleine auf meinen zwei Chips befinden sich weit über 5000 (das heisst rund 19 GB) Aufnahmen. Damit wird auch klar, was mich, neben dem Abarbeiten des Postbergs und dergleichen, in den nächsten Tagen beschäftigen wird…

Es freut mich sehr, dass offenbar recht viele Leute meinen Blog gelesen und so unsere Reise ein wenig mitverfolgt und mitgenossen haben! Wer noch ein bisschen mehr und grössere Bilder und vielleicht etwas weitergehende Kommentare dazu möchte, darf sich sehr gerne an mich wenden, aber eben vielleicht nicht heute und morgen, erst muss ich mich mal durch den Bilderberg arbeiten, den eklatanten Mangel an Käse, Schokolade und Rotwein beheben… ah ja, und den Bart stutzen ;-)

The Long and Winding Roads of Laos

14. Januar 2010

Um von Hanoi ohne allzu grosse Umwege nach Laos zu gelangen, waehlten wir einen recht abgelegenen, schlecht erschlossenen Grenzuebergang, den bei Na Meo/Nam Xoi. Es ist umstaendlich, dort mit oeffentlichem Verkehr hinzugelangen, respektive man muss sich am Schluss mit dem Motorradtaxi (Xe om) 2-4 h hinfahren lassen. Wir charterten deshalb einen Privatwagen und liessen uns darin direkt hinfahren, was einen ganzen Tag in Anspruch nahm und durch schoene Gegenden mit Reisfeldern und kleine Doerfchen mit einfachen Bambushuetten fuehrte. In Na Meo fanden wir vor der Grenze eine sehr einfache Unterkunft mit achtbeinigem Haustier. Als wir beim Bier sassen, kam jemand mit einem Huhn unter dem Arm in die Kueche und ging mitsamt Huhn und einem Beil durch die Hintertuer raus. Bald darauf war ein Geflatter zu hoeren und vielleicht 10 Minuten spaeter kam derselbe Mann mit einem perfekt gerupften Huhn zurueck. So schnell geht das. Nach dem Abendessen schlossen wir mit zwei Einheimischen Bekanntschaft, die sich zu uns an den Tisch begaben. Der eine, stark alkoholisiert, sprach etwa 2 Woerter Englisch, der andere, etwas nuechterner, etwa 7. Natuerlich wurden wir zum Konsum von Schnaps genoetigt, laotischer Herstellung offenbar. Nun ja, wir machten halt ein wenig mit, und am Schluss wuenschten uns die beiden eine gute Reise und schenkten sogar noch Geld, das gehoert offenbar dazu (ganz wenig, natuerlich). Der Grenzuebertritt klappte reibungslos, worueber wir froh waren. Wir hatten naemlich kein Visum fuer Laos, weil seit wenigen Monaten ein Abkommen zwischen der Schweiz und Laos in Kraft ist, welches es uns ermoeglicht, 2 Wochen ohne Visum im Land zu bleiben. Wir hatten nur ein wenig Angst, dass diese Neuerung noch nicht bis hierher durchgedrungen war (unsere Paesse wurden denn auch lange und eingehend betrachtet).
Unser erstes Ziel in Laos erreichten wir per Sawngthiew. Dieses Wort illustriert schon mal, dass es offensichtlich schwierig ist, Lao zu transliterieren. Lao ist verwandt mit Thai und hat eine eigene Schrift, die aus einer alten Khmer-Schrift entstanden ist, welche wiederum auf suedindischen Vorbildern basiert. Ein Sawngthiew ist ein Pickup mit 2 Laengsbaenken auf der ueberdachten Ladeflaeche, einem philippinischen Jeepney funktionell nicht unaehnlich. Damit fuhren wir nach Vieng Xai, einem Dorf inmitten von groesseren, verstreuten Kalkfelsen. In diesen Kalkfelsen gibt es grosse Hoehlensysteme, in denen sich die kommunistische Politbewegung Pathet Lao in den Zeiten des Vietnamkrieges (und eben des zeitgleichen amerikanischen Geheimkrieges in Laos) verschanzten. Die Pathet Lao sind gewissermassen das laotische Pendant zu den Viet Cong, sie wurden von diesen auch unterstuetzt und trainiert. Diese Hoehlen sind seit Kurzem der Oeffentlichkeit zugaenglich und mit einer modernen, professionellen Audiotour ausgestattet. Es war sehr eindruecklich, eine Vorstellung davon zu bekommen, unter welchen Umstaenden Soldaten, aber auch Zivilbevoelkerung, lebten. Die Pathet Lao hatten allen Grund, sich in solch abgelegenen Regionen zu verschanzen: Laos kann den zweifelhaften Ruf fuer sich beanspruchen, das per capita am staerksten bombardierte Land der Welt zu sein (2 Millionen Tonnen Bomben auf damals ca. 1 Million Einwohner, laut The Guardian eine B52-Ladung alle 8 Minuten zwischen 1964 und 73). Diese ueble Geschichte hat Auswirkungen bis in die Gegenwart; noch immer liegen tonnenweise nicht explodierte Bomben (unexploded ordnance, UXO) im Land verstreut herum und fordern jaehrlich zahlreiche Todesopfer. Besonders problematisch sind die Clusterbomben, welche damals eingesetzt wurden (der primaere Zweck der Bombardierungen war, den Nachschub der Vietcong ueber den Ho Chi Minh-Pfad zu sabotieren). Eine Bombe enthaelt dabei mehrere hundert tennisballgrosse Bomblets, welche wiederum 250 Stahlkugeln enthalten. Von diesen Bomblets gibt es scheinbar immer noch sehr viele. Das Metall der Bombenschalen etc. erzielt mittlerweile gute Preise, deshalb suchen viele arme Bauern gezielt nach solchen Ueberresten, um ihr Einkommen aufzubessern.

So wenig es also ratsam ist, in Laos einfach irgendwo im Wald spazieren zu gehen, so verlockend waere es. Ganz Laos ist stark bewaldet und hat einen ausserordentlich hohen Anteil an Primaerwald. Obwohl auch hier Lebensraumzerstoerung und Jagd vielen Arten zusetzen, sieht’s nicht zuletzt aufgrund der tiefen Bevoelkerungsdichte in abgelegenen Gebieten noch relativ gut aus, sogar Tiger gibt es noch (in vielen Doerfern haben wir Plakate gesehen, We’re proud to have tigers here).

In Vieng Xai erlebten wir auch gleich eine erste Dosis lao Kultur. Wir spazierten an einem Gelaende mit vielen Leuten und riesigen Lautsprecherboxen vorbei und wurden sofort herbeigewinkt. Es handelte sich, soweit wir verstanden, um eine Hochzeit. Wer genau geheiratet hat, wurde zwar nicht ganz klar, sehr klar wurde aber, dass wir uns jetzt sofort setzen sollten und doch mal was trinken und essen. Zu essen gab es Lap (eine Art Fleisch- oder Fischsalat) mit Bueffelfleisch und kalten Sticky Rice, eine Reissorte, welche stark zusammenklebt und die man deshalb nur mit den Fingern einigermassen essen kann. Zu trinken gab es Beerlao. Diese Biermarke kontrolliert ueber 99 % des laotischen Biermarktes und die Lao sind enorm stolz darauf. Nicht zu unrecht, denn das Bier ist wirklich gut. Weniger gut war dafuer der lao lao, Rice Whiskey. Dieser ist inflationaer billig, und deshalb betrinkt sich ganz Laos inklusive zufaellig herumstreunender Touristen damit. Die Einladung, ein Lied ueber die grosskalibrige Soundanlage zu singen, konnten wir ausschlagen, aber ohne tanzen ging’s nicht. Discolao, dancelao! wurden wir ermutigt und machten dann mit. Es stellte sich heraus, dass zu laotischer Popmusik (hoechstwahrscheinlich poplao… toent immer ein wenig aehnlich klebrig) in zwei Kreisen getanzt wird, d.h. man geht ein wenig im Kreis herum und macht lustige trancige Bewegungen mit den Haenden. Laos ist nicht eine Nation von Elitetaenzern :-) . Wir bedankten uns ueberschwaenglich fuer die Gastfreundschaft und machten uns etwas benommen davon.

Etwa eine Autostunde weiter westlich, in Sam Neua, uebernachteten wir ein Mal und strolchten ein wenig ueber den Markt, wo eine Marktfrau von meinem Interesse fuer ihre autopsierten Feldratten begeistert war und mir alle Organe auf laotisch erklaerte (sie sehen, nicht ueberraschend, gleich aus wie die in Maeusen, nur groesser). Verkauft wurde ausserdem irgend ein schoener Vogel, den man besser nicht abgeschossen haette, grosse Suesswasserfische, Ochsenschwaenze und als Highlight ein Hundekopf. Der naechste Tag war ein wenig torturoes und bestand in erster Linie aus einer 10-stuendigen Busfahrt durch wunderschoene bewaldete Huegellandschaften aber ueber extrem kurvenreiche Strassen nach Nong Khiaw. Unterwegs kamen wir durch pittoreske Doerfer, alle Haeuser sind hier fast ausschliesslich aus Bambus gebaut und stehen auf Stelzen, ab und zu sieht man zum Baumaterial umdefinierte Bombenteile. Beim Durchfahren sieht man den Leuten buchstaeblich ins Wohnzimmer, so sahen wir beispielsweise Leute, die sich bei der Wasserstelle am Strassenrand den Dreck des Tages vom Leib wuschen. Von Nong Khiaw schipperten wir den Nam Ou nach Muong Ngoi Neua hoch, einem gemuetlichen, aber vom Tourismus entdeckten Dorf am Flussufer ohne Strassenanschluss. Dieser Ort scheint ausserdem eine der hoechsten Huehnerdichten der Welt zu haben, in jedem Busch stecken ein paar davon. Aber sehr idyllisch, und vom Fluss aus bieten sich wunderschoene Aussichten auf die steilen bewaldeten Flanken.

Eine weitere vierstuendige, kalte Fahrt mit dem Sawngthiew brachte uns nach Luang Prabang. Diese im Unesco-Weltkulturerbe gelistete Stadt war vom 14. bis ins 16. Jahrhundert Hauptstadt des Koenigreichs Lan Xang (Land der Millionen Elefanten) und birgt deshalb ein reiches kulturhistorisches Erbe, in erster Linie buddhistische Tempel/Kloester (Wats). Viele davon wurden in verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Burmesen und den Thai zwar in Mitleidenschaft gezogen, sind aber wieder restauriert worden. Wir bestaunten gleich mal einige Tempel, die meisten sind golden bemalt, ueber mit sehr kunstvollen Holzschnitzereien verziert und haben weit zum Boden strebende, sich teilweise ueberlagernde Daecher. Bewohnt werden sie von meist sehr jungen buddhistischen Moenchen in orangen Tuechern; alles in allem ein wunderschoenes Bild. In der Hauptstrasse wird jeden Abend der Abendmarkt aufgebaut, eine schier endlose Aneinanderreihung von Staenden, welche allerlei Handwerk verkaufen. Wir schlenderten ueber den Markt und versuchten Andreas von den Vorzuegen der Kissenbezuege und Seidenpapierlampen zu ueberzeugen. Der naechste Tag gestaltete sich leider reichlich muehsam: Ich schleppte mich zum Koenigspalast, welcher zum Nationalmuseum umfunktioniert wurde, schaute mir diesen mit glasigem Blick schnell an und schleppte mich sodann wieder zurueck ins Guesthouse. Der Weg zurueck fuehrte mich ueber einen Markt, auf dem vom getrockneten Hund (oder was auch immer das war) ueber lebende Bambusratten und ebenfalls lebende, aber gemeinerweise durch die Beine aufgespiesste Froesche fast alles verkauft wurde. Ich zwang mich, nicht auf den Boden zu kotzen und war dann froh, abliegen zu koennen. Vielleicht 2 Stunden spaeter kam Matter zurueck und verschwand ebenfalls sogleich im Bett. Keine Ahnung, was los war, vielleicht war das Streetfood-Znacht doch nicht so einwandfrei gewesen… Jedenfalls fuehlten wir uns beide ziemlich schlecht und litten an Diarrhoe (naja, und das zwecks Rehydrierung eingenommene Isostar mochte dem ersten durchs Fenster hereinwehenden Nudelsuppe-Geruechlein auch nicht standhalten…). Waehrend Aendu also alleine die Gegend erkundete (er fuhr per Motorrad zu den schoensten Wasserfaellen, welche es auf Erden gibt, wenn man seinen Schilderungen glaubt, was man natuerlich nicht tut), konzentrierten wir uns auf die akustische Umgebung. Luang Prabang ist voller Musik; von den Tempeln hoert man die Pauken und Gongs der Moenche und vom Markt den ueberlauten, eintoenigen Poplao, stundenlang. Unterbrochen wird dies von uebereifrigem Hahnengekraeh und unzurechnungsfaehigen Katzen. Am Tag darauf wagten wir uns am Nachmittag zaghaft wieder raus und ich besuchte den praechtigen Wat Xieng Thong, welchen ich am Vortag verpasst hatte.

Der naechste Zwischenstopp war Vang Vieng und der fuenfstuendige, sehr kurvige Transport dorthin fand in einem Minivan statt. Mir und Matter war ungefaehr von Anfang bis Ende speiuebel und wir waren nicht unfroh, als wir ankamen. Vang Vieng ist so etwas wie der Suendenpfuhl des touristischen Laos. Alles ist voller TV-Bars, in welchen man herumliegen und sich tagelang endlose Folgen von Friends und Family Guy ansehen kann, dazu kann man beispielsweise literweise Beerlao trinken und Happy Pizza essen. Happy heisst hier nicht, dass besonders viel Prosciutto drauf ist, sondern Marihuana, halluzinogene Pilze, Opium oder Methamphetamin. Das ganze Dorf ist ueberlaufen mit haesslichen (wenn auch meist jungen und soooo hippen) weissen Touristen, welche besoffen und zugedroehnt halbnackt herumhaengen und ihre Ferien ach so toll finden. Um Vang Vieng kann man aber viel Tolles unternehmen: Klettern, schoene Kalkfelsen und Hoehlen anschauen, Tubing (sich auf Traktorschlaeuchen den Fluss runtertreiben lassen und alle paar Meter anlegen und in eine Bar gehen), Kajaken, Raften… Dominique und Andreas gingen klettern, waehrend ich erst mal ausschlief, ich fuehlte mich immer noch nicht wirklich fit. Beim nachmittaeglichen Tubing fanden wir dann heraus, dass hier der langweiligste Fluss der Welt durchfliesst, d.h. er steht fast mehr als dass er fliesst. Tubing ist aber offensichtlich auch eher Rahmenprogramm, die meisten Leute haengen stundenlang in den Strandbars rum, geben sich die Kante und lassen sich in halsbrecherischen Stunts, genannt Slingshots, in den Fluss schwingen. Ein lustiges Treiben. Leider bekam mir nicht mal das Zuschauen desselben gut und ich verbrachte die naechste Nacht zwischen Toilette und Bett, was ein wahrer Albtraum war. Am naechsten Morgen war ich nur noch ein Schatten meiner Selbst und blieb tagsueber im Bett. Am Abend schleppte ich mich mit den anderen Jungs durchs Oertchen, wir partizipierten ein wenig an den TV-Orgien und spaeter in den Strandbars. In Anbetracht meiner angeschlagenen Gesundheit verabschiedete ich mich vor zwoelf in Richtung Bett; was en detail die anderen zwei trieben, entzieht sich also meiner Kenntnis. Jedenfalls aber holten sie mich am fruehen Morgen aus dem Tiefschlaf. Matter purzelte zur Tuer herein, gluecklicherweise direkt auf sein Bett, wo er regungslos liegen blieb (nun ja, ist etwas dramatisiert, jedenfalls verzichtete er aber tatsaechlich auf seinen allabendlichen, zwanzigminuetigen ekstatischen Zahnputzritus, wahrlich ein pathologisches Zeichen). Aendu geisterte im Zimmer umher und erzaehlte lustige Geschichten von Farben; er erinnerte mich ein wenig an Frederic, die Maus (der da). Etwas belustigt schuettelte ich den Kopf und schlief weiter. Die anderen zwei taten dies auch, und es brauchte am naechsten Morgen eine ganze Weile bis man sie davon abbringen konnte. Matter ass zwar bereitwillig sein Muesli, machte aber den ganzen Tag ein Gesicht wie Jesus am Kreuz und sagte kein Wort, ausser vielleicht mal ach!. Wir verliessen diesen zweifelhaften Ort und ich geriet zur Ueberzeugung, dass es vielleicht, waere ich nicht krank gewesen, summa summarum auch nicht weniger muehsam gewesen waere, wer weiss. Mittlerweile haben wir eine Nacht und einen Tag in der heutigen Hauptstadt, Vientiane, verbracht und der Kater meiner Mitreisenden scheint sich nun doch langsam verzogen zu haben…

Nordwaerts durchs Land der konischen Huete

7. Januar 2010

Unten gibts jetzt mehr (wohl ein bisschen zu viele) Fotos, bis zum Hund… ;-) Ich hoffe, ich komme bald wieder zum Bloggen, habe einiges nachzuholen.

Wir verliessen Saigon nordwaerts mit dem Nachtzug nach Danang, eine grosse Stadt in Zentralvietnam. Wir schliefen auf den brettharten Liegen einigermassen gut und liessen uns von Danang in die nahe Kleinstadt Hoi An chauffieren. Frueher aufgrund des gut gelegenen Hafens mal durch Handel zu Reichtum gelangt, geriet die Stadt in einen Dornroeschenschlaf und wurde vom Krieg weitgehend verschont. Deshalb sind viele alte Haeuser noch gut erhalten, die schoensten (Saeulen mit Perlmuttinlays etc.) wurden von dort sesshaft gewordenen chinesischen Handelsfamilien erbaut. Es gibt auch einige sehr schoene Pagoden, teils mit daoistischen und buddhistischen Elementen im selben Tempel. Die Drachen ueberall lassen einen die geografische Naehe zu China spueren.
Hoi An ist heute recht touristisch und eine Kunsthandwerk- und Schneiderei-Hochburg, man koennte hier also zig Koffer fuellen. Wir versuchten uns zu beschraenken und kauften nicht allzu viel, aber beim Taylorshop mussten wir schon mal vorbei… ;-)
Den naechsten Stopp legten wir in Hue ein. Diese Stadt war von 1802 bis 1945 Hauptstadt der Nguyen-Dynastie und deshalb haben die Nguyen-Herrscher hier ihre imposanten Grabmaeler. Die fruehere Koenigsstadt liegt in einer riesigen Zitadelle. Leider wurden viele Gebaeude zerstoert und erst jetzt nach und nach wiederhergestellt. Naechste Station war die sogenannte Trockene Halong-Bucht und um dorthin zu gelangen nahmen wir den Nachtbus. Leider sah dieser innen drin nicht gerade so aus wie auf den Bildchen im Reisebuero; die Liegen waren geschaetzte 160 cm lang und vielleicht 40 cm breit, und ich befuerchtete die ganze Nacht lang, in der naechsten Kurve runterzufallen. Ausserdem verboten diese Deppen, im Bus zu essen. Alternativen gab es aber natuerlich nicht, und niemand hielt sich dran. Der Kondukteur war entweder nicht ganz dicht oder hatte dringend Ferien noetig und rastete ein paar Mal aus (wir verstanden nicht warum, vielleicht wegen essenden Passagieren oder so), jedenfalls verdrueckten wir unser Sandwich moeglichst heimlich. Um 5.30 erreichten wir – ein wenig havariert – unser Ziel und liessen uns mit 4 Motorradtaxis in der Gegend rumfahren. Die Bezeichnung Trockene Halongbucht ist etwas irrefuehrend. Es handelt sich, wie in der echten Halongbucht um grosse in der Gegend rumstehende Kalkfelsen, welche nicht im Meer, aber doch im seichten Suesswasser stehen. In diesen Gewaessern wird Reis angebaut, welcher aber leider gerade abgeerntet worden war. Wir liessen uns auf kleinen Ruderboetchen rumfahren, manchmal durch Hoehlen durch und auf der anderen Seite wieder raus; eine wunderschoene Tour fruehmorgens. Wir sahen die Leute in den Reisfeldern arbeiten und Fischreusen aufstellen und konnten den Eisvoegeln beim Fischen zuschauen. Am Schluss erklommen wir einen der Karstbloecke, eine eindrueckliche Aussicht… Am Nachmittag fuhren wir mit dem oeffentlichen Bus nach Hai Phong. Unterwegs begann es zu regnen und unser Gepaeck auf dem Dach wurde ziemlich nass (trotz Blache). In unserem Hotelzimmer sah es deshalb bald aus als haette eine Bombe eingeschlagen; fast jedes Kleidungsstueck hatte irgendwo eine nasse Ecke… Nach einer zweifelhaften kulinarischen Erfahrung (Tischgrill mit verschiedenem Fleisch, darunter „Chicken Breast“ mit selten gesehener Konsistenz) und einer Geldautomat-Odysee (es gab Dutzende davon, aber keiner schien vernuenftige Geldmengen ausspucken zu wollen, wir mussten am naechsten morgen auf die Bank und mittels Kreditkarte Geld holen) war ich nicht mehr so Hai Phong-Fan. Am naechsten Morgen aenderten wir aufgrund voellig ueberrissener Faehr-Ticket-Preise unseren Plan, nach Cat Ba (Insel am Rand der Halongbucht) zu reisen und nahmen den Bus nach Halong City. Dort liessen wir uns ueberreden, nicht nur einen Day Trip in die Bay zu machen, sondern gleich auf dem Deluxeboot loszufahren und auf der See zu uebernachten. Dies war sehr schoen, wenn auch ziemlich kalt, das Klima unterschied sich nun sehr deutlich von Suedvietnam. Vom Sonnendeck aus sah man die Sonne nie, aber dafuer die Kalkformationen im Dunst stehend, auch ein schoener Anblick. Auf einer Insel besichtigten wir eine riesige Hoehle, welche in allen Farben beleuchtet war und wir konnten uns nicht recht entscheiden ob dies nun toll oder uebel kitschig aussah. Wohl beides ein wenig (die Fotos werden weiter in Richtung Kitsch abdriften, wie so ueblich). Von Halong war es nur wenige Bus-Stunden bis Hanoi, der vietnamesischen Hauptstadt. Das Wetter verschlechterte sich weiter zu einem grauen, nebligen Nieselregen, was leider fuer den Rest unserer Zeit in Vietnam so bleiben sollte. Hanoi entpuppte sich als charmante Stadt, weit ruhiger als Saigon, aber trotzdem lebendig. Wir erledigten den fast obligatorischen Besuch beim Nationalhelden Ho Chi Minh und marschierten stramm an seiner gutbewachten Leiche vorbei, welche offenbar jaehrlich nach Moskau zur weiteren Konservierung geschickt wird. Die Russen haben ja Erfahrung mit derlei. Des weiteren bestaunten wir das simple Haus auf Stelzen, in welchem Ho Chi Minh arbeitete und die Ueberreste einer 1972 abgeschossenen B52 Fortress (ein riesiger, achtstraliger amerikanischer Bomber). Auf dem Rueckweg kreuzten wir ein Hunderestaurant (dort gehen nicht Hunde essen, sondern Leute Hunde essen). Es sah nicht sehr appetitlich aus und man konnte nur ein Kilo Hund kaufen, so liessen wir es bleiben. Dafuer besichtigten wir den Tempel auf der Insel auf dem Hoan Kiem-See. Dort ist auch eine riesige (ueber 2 m lange und, so wird behauptet, zum Zeitpunkt des Todes 400 Jahre alte) Weichschildkroete ausgestellt, welche in den Sechzigern tot aufgefunden wurde. Noch heute wird ab und zu eine riesige solche Schildkroete gesichtet, es scheint ein einziges Exemplar davon im See zu leben. Nur einzelne weitere Exemplare dieser (oder je nach Angabe einer etwas anderen) Spezies Rafetus swinhoei sind bekannt.

In Hanoi feierten wir auch Silvester. Wir verirrten uns auf eine ueberfuellte Party eines Backpacker-Hostels und lernten einen lustigen Amerikaner kennen. Mit diesem gingen wir in eine Bar, wo ich endlich mal wieder zum Gitarre spielen kam. So sangen wir halt ein paar Mani Matter-Lieder und der Ami spielte auch ein paar Songs und rauchte eine Opiumpfeife. Spaeter wechselten wir in eine andere Bar voller farbiger Huete in welcher wir eine zweifelhafte Fotosession veranstalteten. Am Tag darauf waren wir zwar erstaunlich wenig verkatert, aber leider musste Irene abreisen. Dies war mit einigen Turbulenzen verbunden, denn ihr Jetstar-Flug nach Saigon war verschoben worden, so dass der Anschluss auf den Rueckflug nicht garantiert werden konnte. Alle fruehern Fluege waren allerdings bereits ausverkauft. Sie konnte den letzten Tag in Hanoi deshalb nicht wirklich geniessen, sondern fuhr sofort zum Flughafen um am Check-In-Schalter darauf zu warten, dass jemand zum Flug nicht erschien… Dies geschah glueklicherweise bald, aber nun musste sie dafuer in Saigon umso laenger (wenn auch stressaermer) warten. Wir gingen unterdessen ein Wasserpuppenspiel anschauen. Diese Kunst hat hier wirklich Weltklasse. Hinter einem Vorhang im Wasser stehende Spieler bewegen kunstvoll gefertigte Puppen an im Wasser verlaufenden Stangen, und dies verblueffend exakt. Sie spielen damit Situationen aus Leben der Bauern, man sieht sie fischen, einen Tiger den Baum hoch jagen, mit den Wasserbueffeln pfluegen etc. Darueber hinaus werden Sagen und Mythen aufgefuehrt, sogar Feuer speiende Drachen gab es. Und dies alles begleitet von einem kleinen Orchester, welches auf traditionellen Instrumenten schoene pentatonische, chinesisch anmutende Musik spielte.

Danach wollten wir wieder mal etwas Kulinarisches erleben und fuhren ins Snake Village etwas ausserhalb Hanois. Leider konnte man nur eine ganze Kobra haben. Wir wollten dann doch nicht riskieren, dass wir vor einem Kobra x-Gaenger sitzen und nach 2 Bissen rausfinden, dass wir Kobra nicht moegen und bestellten doch keine. Immerhin zeigte uns der neunfingrige (tja) Kobrazuechter aber eine Kobra. Sie war ganz und gar nicht traege und stellte sich furchteinfloessend auf.

Wir fuhren weiter in einen Bezirk, in dem halb Hanoi in der 2. Haelfte des Mondmonats (oder so was) Hund essen geht. Es war offenbar gerade nicht so Hochsaison, trotzdem fanden wir eine Beiz. Ein netter Hanoier erklaerte uns was wir bestellen sollten und dolmetschte, er war beeindruckt, dass wir Hund versuchen wollten (offenbar machen das nicht so viele Westler). Serviert bekamen wir duenn geschnittenes Fleisch, welches wirklich nicht schlecht war, ein wenig aehnlich wie Rindfleisch, mit einer leichten Hundenote. Die Bambussuppe mit ausgekochten Hundewirbeln fand ich aber ueberhaupt nicht gut. Sie schmeckte etwa so als haette man die Wolldecke aus dem Hundekoerbchen ausgekocht (fand ich zumindest, die anderen beiden fandens weniger schlimm). Nun ja, ich werde wohl trotz allem nicht so schnell wieder Hund bestellen…

Saigon

1. Januar 2010

Unseren ersten Tag in Vietnam verbrachten wir zu dritt. In Saigon, welches heute nach dem Volksheld Ho Chi Minh City (HCMC) heisst (aber vor allem in Suedvietnam meist trotzdem immer noch Saigon genannt wird) hat sich ein eigentliches Traveller-Ghetto gebildet, in welchem wir es uns wohnlich machten. An Saigon faellt sofort eines auf: Die Motorraeder. Die Strassen sind absolut voll damit; wie eine viskose Masse waelzt sich unablaessig ein Strom derselben durch die Strassen. Es muessen Millionen sein und es wuerde mich nicht weiter erstaunen, wenn sich in der 7-Millionen-Metropole ebenso viele Motorraeder finden liessen. Dieser dichte zweiraedrige Verkehr macht spezielle Strategien zum Ueberqueren von Strassen notwendig: Man wartet auf eine kleine Luecke und geht dann einfach gemaechlich ueber die Strasse. Schnelle Kurs- oder Geschwindigkeitsaenderungen sind dabei nicht ratsam, dann koennen die Fahrer nicht mehr gut einschaetzen, wo sie durchfahren koennen. Eine zweite Besonderheit ist die Lebendigkeit der Stadt. Abends im Zentrum ist die Hoelle los, die Strassen sind voller Leute, ueberall haengt opulente Weihnachtsdekoration. Vietnamesen scheinen sich in erster Linie von Nudelsuppe, welche hier Pho heisst, zu ernaehren. Populaer ist sie mit duenn geschnittenem Rindfleisch; ueberall gibt es Nudelsuppenbistrots, welche solcherlei servieren. Das Nahrungsangebot ist aber gross und geht weit ueber Nudelsuppe hinaus, man kann chic in Restaurants tafeln, oder in einer Art Festzelt beim Markt (dort haben wir gesehen, wie 2 Hummer vom Grill zu fliehen versuchten, es dauerte ein Weilchen bis sie tot waren, nicht schoen) oder in kleinen dreckbilligen Strassenbeizchen, in denen man auf unheimlich kleinen blauen und roten Plastiktabourettchen sitzt, waehrend man einfache Gerichte verspeist.

Wie man weiss, hat Vietnam eine bewegte und haesslich blutige juengere Geschichte. Nachdem Ho Chi Minh und seine Viet Minh die franzoesischen Kolonialherren losgeworden waren, entbrannte 1964 der Vietnamkrieg. Die kommunistischen Vietcong wollten ein geeintes Vietnam (statt Nord- und Suedvietnam), aber die Amerikaner wollten ein kommunistisches Vietnam verhindern, sie fuerchteten, dass sonst andere Laender (Kambodscha, Laos, Thailand…) ebenfalls kommunistisch werden koennten. Die Geschichte ist komplex und ich werde gar nicht erst versuchen, sie hier zu erklaeren, dazu habe ich die Kompetenz nicht. Jedenfalls aber artete die Sache in einen ueblen Krieg aus, in welchem sich die Amerikaner mit buchstaeblich aus dem Untergrund operierenden Vietcong-Guerillas konfrontiert sahen (die VC schreckten auch nicht davor zurueck, zarte Schulmaedchen als Soldaten einzusetzen) und entlaubten mit dem dioxinhaltigen Agent Orange ganze Waelder, flogen Napalmangriffe etc… Einen, wenn auch sehr einseitigen (d.h. Amis=boese, VC=heroisch) Eindruck davon erhielten wir im War Remnants Museum. Neben ultrahaesslichen Fotos werden da allerhand Kriegsgeraet, Gefaengniszellen etc. ausgestellt. Des weiteren besichtigten wir den geschichtstraechtigen Wiedervereinigungspalast, wo am 30. April 1975 ein nordvietnamesischer Panzer durchs Tor brach und Vietnams Wiedervereinigung offiziell verkuendet wurde.

Trotz der Dominanz solcher Themen freute ich mich sehr auf den naechsten Tag, als ich endlich Irene am Flughafen abholen konnte! Sie landete irgendwann mitten in der Nacht, trotzdem war das Empfangskomittee natuerlich vollzaehlig. Nach einem erholsamen Tag widmeten wir uns nun zu viert wieder der Geschichte und besuchten die Cu Chi Tunnel. Dies ist das beruehmt-beruechtigte Tunnelsystem (resp. eines davon), welches die Vietcong im Krieg anlegten. Auf 3 verschiedenen Niveaus machten sie unter Tage fast alles: schlafen, essen, kochen, Babies gebaeren, Munition herstellen.. alles Moegliche. Wir selbst gingen auch durch ein Stueck Tunnel und es ist also saumaessig eng. Man kann sich kaum drehen, aufrecht stehen sowieso nicht; und wenn man versucht sehr gebueckt vorwaerts zu kommen, wird das – zumindest bei unseren Koerpergroessen – sofort sehr anstrengend und fuehrt zu ueblem Muskelkater in den Oberschenkeln. Nichts fuer Klaustrophobiker also, und auch ich war ziemlich froh, als der Tunnel wieder an die Erdoberflaeche fuehrte… Nebst dem Situationen aus dem taeglichen Leben der VC waren auch Fallen gezeigt, welche die VC den amerikanischen GIs stellten. Unser Guide fuehrte uns deren Mechanismus mit einem seltsamen, perversen Stolz vor. Es handelte sich um Falltueren ueber Gruben voller Bambusspiesse und verschiedenen Variationen von Dreh-, Falt-, und Schnappmechanismen, welche dem Unglueckseligen lange Eisendorne durch den Leib rammen. Siehe Fotos… Ausdruck davon, wie sich die Amis und die VC gegenseitig buchstaeblich in den Wahnsinn trieben.

Suedvietnam ist dominiert vom riesigen Mekongdelta (ca. so gross wie die Schweiz). Es wuerde sich sicherlich lohnen, dort einige Tage herumzureisen. Um Zeit zu sparen, machten wir aber nur eine eintaegige organisierte Tour zu den schwimmenden Maerkten. Wir konnten ein wenig auf den verzweigten Kanal- und Flusssystemen rumschippern, aber die wirkliche Dimension des Deltas kriegten wir wohl nicht ganz mit. Dafuer wurde die Produktion von Kokos-Caramel und Pop-Rice vorgefuehrt und wir konnten Snake Wine kosten. Dies ist ein (nicht eben feiner) Reisschnaps, in welchen tote Schlangen und Skorpione, teils sogar Voegel eingelegt wurden. Eine ziemlich bizarre Idee und ein ebensolcher Anblick, ich hoffe, die Tiere dafuer werden gezuechtet und nicht gewildert (man findet, wie wir gemerkt haben, Snake Wine in ganz Vietnam an jeder Ecke). Jedenfalls schmeckt der Schnaps mit Einlage aber besser (oder eher weniger schlecht) als ohne.

Die Maerkte bieten sich auch in Vietnam sehr zum drueber schlendern an. Insbesondere die Gemuese- und Fruchtstaende sind sehr fotogen. Die Verkaeuferinnen tragen oft konische Huete aus Palmblaettern und tragen ihre Waren in zwei an einem ueber die Schulter gelegten Bambusholm befestigten Koerben durch die Strassen.

Brunei

25. Dezember 2009

Das kleine (zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert aber noch viel groessere) Sultanat Brunei hat zirka 400 000 Einwohner, welche hauptsaechlich um dessen Hauptstadt Bandar Seri Begawan verteilt sind. Das Klima ist tropisch, das duenn besiedelte Hinterland mit Regenwaeldern bewachsen. Im 20. Jahrhundert kam Brunei durch Erdoel zu ausserordentlichem Reichtum und das Staatsoberhaupt, der Sultan von Brunei, zaehlt zu den reichsten Menschen der Welt. Die Staatsreligion ist der Islam; allerdings ist die Bevoelkerung recht heterogen und neben Malayen leben auch zahlreiche Leute chinesischer Herkunft dort. Bildungs- und Gesundheitssystem stehen der Bevoelkerung kostenlos zur Verfuegung.

Vielleicht lag es am Zeitpunkt unserer Stippvisite (Donnerstagabend bis Samstagabend); jedenfalls war in BSB nicht eben viel los. Der Verkehr ist fuer asiatische Verhaeltnisse fast inexistent (ok, es fahren schon ab und zu ein paar Toyotas oder nagelneue Mercedes-Karossen vorbei), die Strassen ruhig. Selbst in den Malls geht es ruhig zu und her, und an vielen Foodcourts hatten nur wenige Geschaefte geoeffnet. Wir haben die praechtige Omar-Ali-Saifuddin-Moschee mit vergoldeten Kuppeln besichtigt und sind ueber die Stege des Water Village (Kampong Ayer) spaziert. Dieses Wasserdorf ist mit 30 000 Einwohnern das groesste seiner Art weltweit. Den Ufern des Brunei River entlang stehen alle Haeuser auf Stelzen, es gibt auch Schulen, Spitaeler, Moscheen… Mit dem Boot haben wir eine Tour durch die Kanaele gemacht, und weiter den mangrovengesaeumten Fluss entlang zum Palast des Sultans. Dieser groesste bewohnte Palast der Welt ist allerdings recht gut abgeschirmt, und man kann lediglich aus der Distanz einen Blick auf den oberen Teil erhaschen. Apropos Haschen: Solcherlei sollte man in Brunei unterlassen, auf Drogenschmuggel steht die obligatorische Todesstrafe.

Im Naturhistorischen Museum fanden wir heraus, dass hier die groesste Giftschlange der Welt lebt, die Koenigskobra. Sie ernaehrt sich fast ausschliesslich von anderen Schlangen und Echsen und kann ueber 5 m lang werden. Zeit, um selber im Regenwald Tiere suchen zu gehen, hatten wir leider nicht und wir begaben uns zum Flughafen. Wir hatten bei Royal Brunei Airlines ein Business Class Ticket nach HCMC gebucht, warum weiss der Teufel; vermutlich weils keine anderen mehr gab. Jedenfalls fanden wir die Priority-Abfertigung natuerlich lustig, und verschwanden sogleich in der Sky Lounge, wo wir uns mit allerhand Koestlichkeiten vollstopften. Als Letzte bestiegen wir den kleinen Airbus und flaezten uns in die breiten Sitze. So ein Business Class-Kurzstreckenflug (2 h) ist also ein ziemlicher Stress, macht das nie! Was man da alles tun muss: Zeitungen und Magazine lesen, Fernsehen auf dem Ego-Monitor, welcher sich aus der Armlehne ausklappen laesst, Apero verspeisen, dann den Dreigaenger durchexerzieren… Das war hart, zumal wir ja eben grad in der Sky Lounge getafelt hatten. Aber so langsam gewoehnen wir uns an die Doppel-Abendessen… ;-)

Dschungelsafari in Borneo (Sabah, Malaysia)

18. Dezember 2009

Borneo, nach Groenland und Neuguinea die drittgroesste Insel der Welt, war einmal dicht von Dschungel ueberwachsen. Wie man sich vorstellen kann, sieht das heute anders aus und man findet in erster Linie langweilige Monokulturen von oeden Oelpalmen, zumindest in Sabah, dem Teil von Borneo, welchen wir besuchten. Das Ausmass dieser Plantagen ist gleichermassen beeindruckend wie bedenklich, oft sieht man Oelpalmen bis an den Horizont und es waere ganz offensichtlich dringend noetig der Entwicklung zu noch mehr Plantagen und noch weniger Primaerwald Einhalt zu gebieten! Der Sueden Borneos (Kalimantan) ist indonesisch, der Norden malayisch (Sarawak im Westen, Sabah im Osten). Zusaetzlich befindet sich das kleine und steinreiche Sultanat Brunei an der Nordkueste.

Um Borneo so zu sehen, wie es eigentlich sein sollte, organisierten wir uns von Kota Kinabalu aus einen dreitaegigen Trip in die Urwaelder am Kinabatangan River, einem 560 km langen Fluss. Wir starteten (wie immer wenn man hier etwas unternehmen will) in aller Herrgottsfruehe mit einem modernen Aircon-Bus. Dieser war ganz angenehm (die Strasse auch), ausser dass der Sitzabstand kleiner war als die Laenge meines Femurs. Nach 6 Stunden wurden wir irgendwo abgesetzt und gleich wieder aufgelesen und noch 1 Stunde an den Fluss gefahren. Hier begann die Erfolgsgeschichte damit, dass mitten auf der Strasse ein Hornbill (Nashornvogel, es gibt hier etwa 8 oder 10 Arten) lag und sich ein Staubbad genehmigte. Kurz darauf lag auf selbiger Strasse ein grosses Reptil, naemlich ein Waran (laut Driver nach dem Komodowaran die zweitgroesste Echse der Welt, weiss nicht ob das stimmt. Aber schon sehr beeindruckend). Beim Uebersetzen ueber den Fluss sahen wir ein Krokodil, und damit waren meine Erwartungen schon uebertroffen bevor wir ueberhaupt im Camp ankamen. Krokodilsichtungen sind hier naemlech nicht unbedingt an der Tagesordnung. Wir haben offenbar eine gute Zeit erwischt, Regenzeit. Im Camp blieben wir 2 Naechte in einfachen,  halbwegs moskitodichten Holzhuetten. Per Schnellboot fuhren wir den Kinabatangan rauf und runter (immer in der Morgendaemmerung und am spaeten Nachmittag), die beste Art um Tiere zu sehen. Wir sahen immerhin 5 der 10 Primatenarten: Ueberall Long Tail Macaques und Proboscis Monkeys (Nasenaffen). Letztere sind recht gross und haben grosse Nasen und dicke Baeuche, in welchen sie giftige Pflanzen verdauen koennen. Sie leben in Harems, das heisst ein Maennchen (mit riesiger Nase) mit etwa 5-10 Weibchen und der daraus resultierenden Kinderschar. Wenn sich ein anderes Maennchen auf den selben Baum wagt, gibt’s natuerlich Zoff, und auch die Long Tailed Macaques werden nicht allzu nah toleriert. Einmal sahen wir Silberlanguren und hier und da Pig Tail Macaques (die haben wirklich nur so ein kleines, nicht sehr attraktiv aussehendes Schwaenzchen). Ein grosses Highlight war aber, dass wir eines Morgens (an meinem Geburtstag, sozusagen ein Geschenk) ein Orang Utan-Nest entdeckten. Darin waren eine Orang Utan-Mutter mit ihrem Kind gerade am Erwachen und blinzelten verschlafen von oben herab. Orang Utans sind selten, es gibt geschaetzte 20 000, und ihre Lebensraeume sind von diesen endlosen Palmplantagen zerstueckelt. Am Abend desselben Tages erwartete uns etwas noch viel selteneres, naemlich ein Elefant. Die bornesischen Waldelefanten (auch als Pygmy Elephant bekannt) sind, wie nach einer DNA-Analyse 2003 bekannt wurde, nicht identisch mit den Asiatischen Elefanten, sondern eine Unterart derselben. Und eben, sehr selten und scheu. Wir sahen keine Herde, sondern ein Einzeltier. Es stand am Flussufer im Dickicht und bewegte sich nicht, ich haette es niemals gesehen. Der Elefant wackelte dann doch noch ein bisschen mit den Ohren und verschwand, als wir naeher kamen, ein paar Aeste zerbrechend im Dschungel. Ich kann also nicht behaupten, einen ganzen Elefanten gesehen zu haben, allenfalls einen halben oder so (s. Fotos). Voegel sahen wir natuerlich auch zuhauf, darunter eine Reiherart, Stoerche (Storm Stork), einen grossen Raubvogel (irgendwas Hawk Eagle), einen Fischadler, Hornbills, Oriental Darter (oder Snakebird und auf deutsch Altwelt-Schlangenhalsvogel, haha) und andere.

Auf einem Nachtspaziergang sahen wir Froesche, Stabschrecken, einen Skorpion, grosse Tausendfuesser und schlafende Voegel (einen Pitta und einen Kingfisher, eine Art Eisvogel). Einmal marschierten wir ein laengeres Stueck (ca. 3 h) durch den Regenwald. Der Boden war teils sehr sumpfig und wir waren froh um die Gummistiefel, welche vom Camp zur Verfuegung gestellt wurden. Ausserdem war darauf zu achten, moeglichst wenig nackte Haut zu exponieren, der Regenwald ist offenbar regelrecht aufgefuellt mit Blutegeln, welche an Blaettern auf vorueberziehende Warmblueter warten und sich dann, besonders wenn diese Andreas heissen, anheften. Auf dies vorbereitet, schaffte es allerdings keiner, durch die klitschnassgeschwitzten Kleider zu dringen.

Abgesehen von einer richtig vaterlaendischen Erkaeltung welche ich mir mithilfe einer Klimaanlage zugezogen hatte, und die mir nun das Leben schwer machte, war dieser Dschungeltrip ein Erlebnis der Extraklasse, auch wenn wir leider keine Gibbons sahen, und auch keine Python, die gerade einen Affen erbeutete; aber das haette uns ja eh keiner geglaubt :) .

Wir liessen uns nach Sepilok fahren, zu einer Orang Utan-Rehabilitationsstation. Junge Orang Utans, welche irgendwo verwaist aufgefunden werden (zum Beispiel in Plantagen oder in haesslichen Kaefigen in ruralen Regionen…) kommen hierher und lernen, im Dschungel zu leben. Dies dauert 6-10 Jahre, und die fortgeschritteneren leben frei im zur Station gehoerenden Dschungel. Sie werden bei verschieden weit weg gelegenen Plattformen gefuettert. Die meisten gehen dann irgendwann mal weg von der Station, andere kommen ihr Leben lang ab und zu zurueck. Zur naechstgelegenen Plattform kann man zur Fuetterungszeit gehen und zuschauen. Dies ist zwar wegen der vielen Touristen ein bisschen nervig, aber sonst lohnenswert, weil man wirklich Orang Utans aus der Naehe sieht. Einer genoss die Aufmerksamkeit besonders und posierte minutenlang direkt vor der Besucherplattform. Die Makaken haben natuerlich auch gemerkt, dass hier Futter verteilt wird und versuchen sich aus allen Richtungen irgendwie anzuschleichen und etwas zu stehlen. Die Gier steht ihnen ins Gesicht geschrieben, eine lustige Sache!

Am Abend wollten wir von Sandakan mit dem letzten Flug nach Kota Kinabalu zurueckfliegen (um nicht nochmals 6 h Bus fahren zu muessen und um keinen Tag zu verlieren). Am Flughafen fanden wir heraus, dass unser Flug gecancelt worden war, und wurden in ein Hotel chauffiert. Ins wohl beste dieser Reise (immerhin hatten wir Malaysia Airlines gebucht, eine sehr gute Airline)… Dort assen wir ein zweites Znacht, nach einem einfachen Reisgericht beim Sit-In-Imbissstand jetzt ein Viergaenger, bis wir fast platzten. Am naechsten Morgen wurden wir dann doch noch nach KK geflogen, verpassten aber natuerlich die Faehrverbindung nach Brunei und versuchten jetzt verschiedenen Malaysia-Mitarbeitern zu erklaeren, dass wir jetzt nach Brunei wollten. Schliesslich landeten wir beim Duty Manager (eine gottaehnliche Instanz aus Sicht des Ticketing Office ;-) ). Der kuemmerte sich dann um uns und zusammen mit 2 Lakaien eroerterte er alle Moeglichkeiten gleichentags nach Brunei zu gelangen. Schliesslich bezahlte er uns eine zweistuendige Taxifahrt nach Menumbok. Von dort huepften wir in einem nicht allzu hochseetauglichen Schnellboot von Wellenkamm zu Wellenkamm nach Labuan (nichts fuer schwache Maegen) und erwischten doch noch eine Faehre nach Brunei. Hier sind wir nun in einem der wenigen billigen Hotels einquartiert. Morgen werden wir nach Ho Chi Minh City (Saigon) in Vietnam fliegen.

Nachtrag zu Angeles

12. Dezember 2009

Wir haben gestern das erwaehnte Restaurant tatsaechlich gefunden und einen gefuellten Frosch und ein Teller Grillen bestellt (neben ein paar anderen Dingen). Der Frosch war eigentlich sehr gut, er war mit Schweinefleisch gefuellt und schmeckte ansonsten aehnlich wie Poulet, vielleicht mit einem Anflug von weissem Fisch. Die Grillen waren, nebst dem, dass sie wirklich aeusserst unappetitlich aussahen, nicht gerade sehr gut. Entgegen den Erwartungen waren sie eher pampig als knusprig und schmeckten vielleicht ein wenig wie Vollreis oder so. Jedenfalls konnten wir uns alle nicht sehr dafuer erwaermen. Wenn wir schon (wieder mal) bei Kulinarischem sind: Etwas vom Besten, was man auf den Philippinen essen kann, sind meiner Meinung nach die zuckersuessen, aromatischen Mangos. Hoffentlich gibt’s die auch auf Borneo und in Vietnam, sonst vermisse ich sie praeventiv schon jetzt mal…

Am Abend klapperten wir die Nightclubmeile ab. Man wurde foermlich in die Clubs reingezerrt von hysterisch kreischenden Maedels, welche unsere Baerte offenbar interessant fanden, sich ansonsten aber vor allem auf Aendu stuerzten. Matter und ich fanden das natuerlich nicht unlustig und beeilten uns nicht sehr mit bezahlen. Unter dem Strich etwas zwischen lustig und muehsam, jedenfalls ziemlich harmlos.

Jetzt ist fertig mit Philippinen und wir werden in Baelde nach Kota Kinabalu fliegen.

Groteske in Angeles

11. Dezember 2009

Die Philippinen liegen bekanntlich am westlichen Rand des pazifischen Feuerrings, und daher gibt es hier viele Vulkane. Knapp 100 km noerdlich von Manila liegt der Pinatubo, welcher 1991 nach einer ueber 600-jaehrigen Ruhezeit ausgebrochen ist. Es war einer der massivsten Vulkanausbrueche des 20. Jahrhunderts; gluecklicherweise wurde er erfolgreich prognostiziert (es gab allerdings trotzdem einige hundert Tote). Diesen Vulkan wollten wir besichtigen und waehlten als Basis die nahe Stadt Angeles aus. Hier in der Naehe betrieben die Amerikaner lange eine grosse Airbase (Clark), was eine Sexindustrie mit offenbar gewaltigen Ausmassen (zeitweise 100’000 Prostituierte) nach sich zog. Diese Zeiten sind zwar vorbei, aber Angeles ist immer noch Sexmetropole, wie wir schnell herausfanden. Unser Aufenthalt hier ist deshalb nicht frei von grotesken Situationen… Das Lustigste ist wohl unser Hotel: Es ist recht chic und alles sieht ok aus, aber wir sind wohl die einzigen Gaeste (zumindest haben wir noch keine anderen gesehen, vielleicht checken die nur nachts fuer ein paar Stunden ein…). Trotzdem wimmelt es von Angestellten; als wir unser Zimmer bezogen waren nicht weniger als 11 davon zugegen. Sie sind alle ausgesprochen freundlich und finden uns hoechstwahrscheinlich nicht weniger lustig als wir sie. Jedenfalls scheinen wir hier absolute Sonderlinge zu sein. Auf den Pinatubo wollt ihr? No Girls??? Haeh? Seltsam. Die anderen Touristen in dieser Stadt (und nein, liebe Emanzen, das weibliche Geschlecht ist diesmal mit der maennlichen Form nicht mitgemeint) sind durchwegs eher alt, eher haesslich, nicht selten adipoes, weiss und in der Regel amerikanisch. Und alle haben eine junge, in der Regel huebsche, Filipina dabei. Da sitzen also beispielsweise fuenf solche Touristen, offenbar Freunde, in einem schicken Restaurant, dazwischen immer eine attraktive Dame, und scheinen sich praechtig zu amuesieren. Ich konnte das Treiben leider bis jetzt nicht unauffaellig fotografieren, aber es sieht schon grotesk aus und mir tun die Maedels schon nur deshalb leid, weil sie sich das grossspurige Gesuelze dieser absolut charmfreien alten Knacker anhoeren muessen. Die Strassen sind gesaeumt mit zwielichten Clubs und Bars mit kreischenden Maedchen vorne dran, und man wird natuerlich staendig angequatscht von attraktiv aussehenden Ladies. Ein junger Typ wollte uns vorhin Viagra und Cialis verkaufen, take that, it’s very good, gives you extra power! I take Cialis myself, it’s very good! Nun ja, wir haben dann weder Viagra noch zweifelhafte Dienstleistungen gekauft und doch lieber den Pinatubo besucht. Wir starteten von einem abgelegenen Kaff (Santa Juliana) aus mit einem hochbeinigen Gelaendefahrzeug. Man koennte auch alles zu Fuss machen, braeuchte dann aber realistischerweise 2 Tage. Wir fuhren also ueber Pisten aus Sand und vulkanischer Asche, vorbei an ein paar kleinen Buschfeuern, dann durch ein riesiges Flussbett mit breit maeandrierenden Baechen, durch zerklueftete vulkanische Landschaften und immer wieder durch Baeche, in die man die ueberall herumliegenden Bimssteine werfen kann, welche dann davonschwimmen. Eine ziemlich holprige Fahrt, aber doch recht lustig. Die in Lonely Planet angekuendigte zweistuendige Wanderung ueber den Kraterrand zum Kratersee legten wir in etwa 15 Minuten zurueck; keine Ahnung, was da der Researcher gemacht hat. Der Krater selbst ist sehr schoen, mit intensiven Farben von Wasser, Vegetation und Vulkanit, man betrachte hierzu die Fotos. Mittlerweile sind wir zurueck in Angeles und versuchen, da unser Flug nach Kota Kinabalu (auf Borneo) erst morgen ist, dieser Stadt noch irgendwie etwas anderes abzutrotzen als schmuddeliges Sexgewerbe (Aendu hat grad ein Restaurant mit Heuschrecken und gefuelltem Frosch auf der Karte ausfindig gemacht, das kann ja mal wieder heiter werden :) ).

Palawan a.k.a. Paradise

8. Dezember 2009

Endlich komme ich dazu, unseren Aufenthalt auf Palawan etwas zu dokumentieren, und ihr tut mir jetzt schon leid, all das zu lesen, so ihr denn ueberhaupt die Geduld dazu haben solltet *g*. Wir fuhren per Jeepney von Puerto Princesa nach Sabang, wo wir uns in ein lottriges Bambushuettchen einquartierten, welches dafuer direkt an der atemberaubenden Kueste stand. Die Hauptattraktion Sabangs war aber ein unterirdisches Flusssystem, welches wir mit einem Ruderboot erkunden konnten. Dabei galt es darauf zu achten, beim nach-oben-schauen den Mund geschlossen zu halten, Fledemausseise, wie unser Guide warnte. Und tatsaechlich sahen wir in den Hoehlen Hunderte von Fledermaeusen. Der Weg ins Dorf zurueck fuehrte ueber einen Dschungelpfad, wo wir einen Monitor Lizard sahen, eine riesige, mit dem Komodo-Waran verwandte Echse (Monitor Lizard heisst wohl einfach Waran, keine Ahnung was fuer einer es war), der man mal sagen sollte, dass die Kreidezeit uebrigens schon vorbei sei.

Weil die Strassen weiter in den Norden Palawans von nicht sehr berauschender Qualitaet seien, entschlossen wir uns, per Bangka weiterzureisen. Bangkas sind hier sehr verbreitete, schmale Holzboote, welche beidseitig mit einem aus einem dicken Bambusrohr bestehenden Ausleger stabilisiert werden. Zwei junge Hollaenderinnen und ein aelterer Deutscher hatten bereits eine Bangka nach El Nido (im Norden der Insel) gebucht, und wir konnten dort mitfahren und uns unterwegs auf einer kleinen Insel beim Coconut Garden Island Resort absetzen lassen. Dieses sei sehr schoen und von einem Schweden gefuehrt, liessen wir uns sagen. Die Ueberfahrt dorthin dauerte gute 2 Stunden und endete an einem Traumstrand, wo sich Matter mit Keith Richards verwechselte und auf Kokospalmen kletterte, waehrend Aendu Nuesse derselben aufhaemmerte. Der Schwede kochte gute Roesti, hatte im Beizli Schweizer Kantonswaeppli aufgehaengt, und ueberhaupt sprach er verdammt gut Schweizerdeutsch fuer einen Schweden, Respekt! Wir starteten eine erste Unterwassererkundung und sahen Korallen, farbenfrohe Fische und sogar einen kleinen Rochen. Am naechsten Morgen (diesmal noch frueher als sonst, naemlich um 6.30) liessen wir uns auf einer kleinen Bangka nach El Nido fahren. Dies dauerte nun 4.5 h und war nur beschraenkt gemuetlich, zumindest in den Open Waters. Das Meer war recht wellig, und unser kleines Boot stach entschlossen mittendurch, eine feuchtfroehliche Angelegenheit. Hoer mal auf du Arsch, wollte ich dem Meer ab und zu zurufen, aber es kam mir jeweils zuvor, sagte Selber Arsch! und klatschte mir ein paar Deziliter lauwarme, aber nicht gerade isotonische Natriumchloridloesung ins Gesicht. Irgendwann erreichten wir das Bacuit Archipel, die See wurde ruhig und die Aussicht auf die zahllosen Inseln ueberwaeltigend. In El Nido (einem kleinen Touristennest) fanden wir ein huebsches Bungalow, gerade neben den ebensolchen Hollaenderinnen von der Bangkafahrt von Sabang, wie sich bald herausstellte. Wir erzaehlten ihnen von unserem Plan, Kajaks zu mieten und so die Insellandschaft zu erkunden. Sie fanden die Idee offenbar gut und so zogen wir anderntags zu fuenft los. Wer mich kennt, kann sich leicht vorstellen, dass mir so zirka nach 35 Metern fast die Arme abfielen vom Rudern, aber man gewoehnt sich bekanntlich an alles. Wir erkundeten Cadlao Island, und fanden hier so ziemlich alles, was man sich unter dem Begriff Trauminsel klassischerweise vorstellt: Einsame, weisse Sandstraende mit Kokospalmen, schroffe Kalkklippen, versteckte Buchten… wunderschoen! Es ist schon ein bemerkenswertes Gefuehl, wenn man mutterseelenallein in einer Bucht im lauwarmen Wasser liegt und nichts sieht als das Tuerkis ebendieses Wassers, die Felsen, das Blau des Himmels… Aber man betrachte hierzu die Bilder, welche dieses Paradies wohl besser wiedergeben als Worte. Es war jedenfalls den Muskelkater wert, welcher sich – oh Wunder -  allenthalben bald einstellte.
Um ein alternatives Verkehrsmittel nicht unversucht gelassen zu haben, mieteten wir einmal Velos (von einem kauzigen, offenbar hier gestrandeten Aussteigerfranzosen). Es waren chinesische Fabrikate, ziemlich neu, und ein bisschen schlechter als die schlechteste Qualitaet, welche ihr euch vorstellen koennt. Damit fuhren wir, so gut es ging, ein wenig herum, und an einem Strand entdeckte ich neue Talente an meinen beiden Mitreisenden: Aendu betaetigte sich als Modellfotografieregisseur (oder wie man das auch immer nennen mag), jedenfalls kommandierte er zu meinem unverhohlenen Amusement Matter herum, welcher, sozusagen als Geburtstagsgeschenk, als Modell amten durfte und unter anderem ein Velo ins Meer trug oder mit Zepter und Reichsapfel posierte. Ich stellte meine Kamera auf Seriefeuer und schaute dem Treiben zu :) .
Fuer einen Tag buchten wir eine Island-Hopping Tour per Bangka. Wir fuhren zu dritt (plus boat man plus Guide) zu verschiedenen Inseln und schauten uns noch mehr dieser absolut atemberaubenden Landschaften (sorry, ich wiederhole mich, ich weiss, aber was soll ich sonst schreiben?) an, unter anderem zwei sehr schoene Lagunen. An einem Strand bereitete unser Guide einen wunderbaren Lunch, bestehend aus frischer Ananas, Reis, grillierten Fischen und Poulet vor, waehrend wir schnorchelnderweise auf Unterwasserentdeckungstour gingen. Phaenomenal auch dies. Ueberall Korallen, welche zwar nicht sehr farben- aber dafuer formenreich waren und dazwischen zahllose Fische; manchmal wurde uns fast schlecht vor Fischen rundherum. Anemonenfische, Doktorfische, Papageienfische, riesige Seeigel mit ca. 15 cm langen Stacheln, grosse blaue Seesterne, Riesenmuscheln… Spaeter an einem anderen Strand sahen wir sogar noch eine Seeschlange und einen Feuerfisch aus naechster Naehe. Vor der Seeschlange hatte ich etwas Respekt, offenbar nicht zu unrecht; meiner Meinung nach handelte es sich um eine Laticauda colubrina, welche sehr giftig, wenn auch ueberhaupt nicht aggressiv ist.

Gestern kletterten wir mit einem Guide auf die grosse Kalksteinklippe (360 m laut Guide) neben El Nido. Es ging sehr steil hinauf ueber schroffe, messerscharfe, stark korrodierte Kalkfelsen und ich habe keine Ahnung warum unser Guide dies alles in Flipflops vorkletterte. Anzuseilen brauchte man sich zwar nicht, aber es war nicht unbedingt der Pfad, von dem Muetter gerne wissen, dass ihre Soehne sie ueberklettern ;-) . Nein, so gefaehrlich war es auch wieder nicht, aber aufpassen musste man schon. Am Nachmittag besuchten wir einen Wasserfall, um den zu erreichen man zirka zehn Mal den Bach durchqueren musste, was ich jedoch nicht wusste und in meinen Turnschuhen nicht eben Freude daran hatte. Auch die heissen Quellen ersparten wir uns in der Folge nicht (das heisst, ich kapitulierte kurz davor, weil ich nicht mitsamt Schuhen im heissen Schlamm versinken wollte) und Matter verlor lustigerweise einmal den Boden unter den Fuessen und versank bis zum Knie im Morast. Heute war wieder mal ereignisarmer Administrationstag, immerhin assen wir aber formidabel. Ich verspies einen sehr unkleinen White Snapper und walzte danach kugelrund zur Massage, man kann also nicht sagen, es gehe uns schlecht hier :-) !

Entschuldigung fuer die teils falsch gedrehten Bilder. Ich verzichte darauf, diese jetzt noch einzeln drehen zu gehen (ist muehsam hier bei WordPress), es ist schon spaet und wir muessen morgen wieder mal frueh auf, um unseren Flug nach Manila nicht zu verpassen…

Chocolate Hills

30. November 2009

An unserem letzten Tag auf Bohol mieteten wir wieder Motorraeder. Damit brausten wir vorbei an alten spanischen Missionskirchen und schoenen hellgruenen Reisfeldern zu den Chocolate Hills, welche vom philippinischen Tourismusbuero prominent beworben werden. In der Tat handelt es sich um eine geologisch aussergewoehnlich Form, viele kleinere Huegel nebeneinander. Alle sind mit Gras bewachsen, welches offenbar in der Trockenzeit braun wird, daher der Name Chocolate Hills. Das Wetter wollte nur so halb mitspielen und peitschte uns ab und zu ein wenig Regen ins Gesicht, was allerdings bei philippinischen Temperaturen nur halb so schlimm ist. Und ueberhaupt, so Toefffahren beginnt langsam richtig Spass zu machen :) .

Am Tag darauf flogen wir via Manila nach Puerto Princesa auf Palawan. Dies ist die westlichste grosse Insel der Philippinen, sie ist nicht so dicht besiedelt und verspricht einiges an unberuehrter Natur zu bieten. Ich weiss nicht, wie gut die Infrastruktur ist, moeglicherweise koennte es bis zum naechsten Blog-Update ein wenig dauern. Heute haben wir unter anderem einen Schweizer Spezialitaetenladen gefunden (wuerde man hier vielleicht nicht erwarten) und einen farbenfrohen Markt (wuerde man durchaus erwarten). Zudem haben wir Stachelrochen gegessen, was sehr zu empfehlen ist. Wir werden jetzt nordwaerts reisen und morgen einen unterirdischen Fluss anschauen, sofern man denn dort etwas sehen sollte.


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